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Dr. Carsten Klein

Putnam, Hilary

(1926): Geboren am 31. 7. in Chicago; gehört zu den herausragenden Denkern der auf Quine folgenden Generation amerikanischer Philosophen. Anders als viele seiner spezialisierten Zeitgenossen hat er sich mit einem breiten Spektrum philosophischer Themen beschäftigt, mit formaler Logik und Wissenschaftstheorie, Sprachphilosophie und Philosophie des Geistes (Philosophy of Mind ) und neuerdings auch mit philosophiegeschichtlichen Themen. In vielen Bereichen hat er durch seine originellen Beiträge die Diskussion in neue Bahnen gelenkt. Seine philosophischen Positionen haben dabei im Laufe der Zeit eine Reihe von Veränderungen erfahren.

Putnams Arbeiten zur Sprachphilosophie sind von dem Versuch gekennzeichnet, eine Bedeutungstheorie zu entwickeln, die trotz der quineschen Kritik am Bedeutungsbegriff Bestand haben kann (The Meaning of ›Meaning‹ , 1975 ). Ausgangspunkt ist eine Betrachtung der auf Frege und Carnap zurückgehenden Konzeption, dass für eine semantische Untersuchung sprachlicher Ausdrücke zwei Aspekte unterschieden werden müssen: die Intension als Begriffsinhalt (anders als bei Frege heute oft auch als Bedeutung, engl. meaning , bezeichnet) und die Extension als Menge der von dem Ausdruck bezeichneten Objekte (Sprachphilosophie), wobei die Extension jeweils eindeutig durch die Intension festgelegt sein soll. Intensionen wurden dabei als abstrakte Gegenstände gedeutet, die von allen Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft erfasst werden können. Da dieses Erfassen einen geistigen Zustand der Form ›wissen, dass I die Intension des Wortes A ist‹ darstellt, der die fragliche Intension eindeutig bestimmt, kommt man zu der Folgerung, dass der geistige Zustand eines Sprechers die Extension des von ihm verwendeten Ausdrucks festlegt. In einer anderen Variante dieser traditionellen Auffassung werden daher Bedeutungen sogar mit geistigen Zuständen identifiziert.

Putnam versucht mit zwei Argumenten zu zeigen, dass diese Konsequenz nicht haltbar ist. Das erste Argument ergibt sich aus der These der linguistischen Arbeitsteilung, nach der die Bestimmung der Referenz, also der Gegenstände, auf die sich ein Wort bezieht, eine wesentliche soziale Komponente hat. Bei vielen Wörtern, insbesondere denjenigen, die so genannte ›natürliche Arten‹ wie ›Gold‹, ›Wasser‹, ›Tiger‹ etc. bezeichnen, sind die genauen Bedingungen dafür, dass etwas zur Extension eines Wortes gehört, nur einem kleinen Teil der Sprachgemeinschaft bekannt, nämlich der Gruppe der Experten. Damit liegt die Referenzbestimmung nicht immer in der Kompetenz eines einzelnen Sprechers und kann damit auch nicht allein durch seinen geistigen Zustand bestimmt sein: Häufig ist die Referenz nur dadurch festgelegt, dass der Sprecher zu einer Sprachgemeinschaft gehört, in der es Experten für das fragliche Gebiet gibt. Nichtexperten kennen in der Regel nur gewisse Eigenschaften, die in ihrer Sprachgemeinschaft als typisch für das fragliche Objekt gelten. Mit Gold verbinden wir z. B. lediglich die gelbe Farbe und gewisse metallische Eigenschaften, nicht jedoch ein genaues chemisches Wissen. Solche Stereotypen machen für uns die Bedeutung eines Wortes aus und bestimmen unsere geistigen Zustände gegenüber den benannten Objekten. Sie allein legen jedoch nicht die Extension dieser Wörter fest.

Die Frage, wie sich ein Wort auf ein Objekt beziehen kann, beantwortete Putnam im Rahmen einer kausalen Referenztheorie, die er und Kripke unabhängig voneinander entwickelten. Kripke hatte diese Theorie zunächst nur auf Eigennamen angewandt. Danach wird die Referenz eines solchen Namens durch eine Kausalkette bestimmt, die mit einem Taufakt beginnt, welcher eine kausale Beziehung zwischen einem Gegenstand und einem Namen herstellt. Anschließend setzt sich diese Kette durch die Weitergabe dieses Namens von Sprecher zu Sprecher fort, sodass sich jemand, der heute ›Julius Cäsar‹ sagt, damit über die in die Vergangenheit reichende Kausalkette auf die Person Julius Cäsar beziehen kann. Putnam erweiterte diese Theorie auch auf Ausdrücke für natürliche Arten und physikalische Größen.

Aus der kausalen Referenztheorie ergibt sich ein zweites Argument gegen die Annahme, dass die Referenz eines sprachlichen Ausdrucks durch einen geistigen Zustand des Sprechers festgelegt wird. Es bedient sich des Gedankenexperimentes der Zwillingserde, eines anderen Planeten, welcher der Erde weitgehend gleicht und auch menschliche Bewohner hat, die die gleiche Sprache sprechen wie wir. Der einzige Unterschied soll darin bestehen, dass die dort als ›Wasser‹ bezeichnete Flüssigkeit nicht aus H2O wie auf der Erde, sondern aus einer anderen chemischen Substanz XYZ besteht, die außer der anderen chemischen Struktur aber dieselben Eigenschaften wie unser Wasser aufweist. Ein Astronaut, der heute auf die Zwillingserde gelangte, würde diesen Unterschied schnell bemerken und sagen, dass sich die Bewohner der Zwillingserde mit ›Wasser‹ auf eine andere Substanz beziehen als die der Erde. Aber wenn durch irgendeinen Umstand ein Mensch vor 200 Jahren auf die Zwillingserde gelangt wäre, als noch keine chemischen Analysemethoden bekannt waren, hätte er den Unterschied nicht herausfinden können. Er hätte sich also bezüglich des Wassers der Zwillingserde in dem gleichen geistigen Zustand befunden wie deren Bewohner, hätte sich aber trotzdem mit dem Wort ›Wasser‹ nicht auf das Wasser der Zwillingserde, sondern auf das Wasser unserer Erde bezogen, denn darauf hätte die Kausalkette verwiesen, welche die Referenz bestimmt. Folglich kann der geistige Zustand des Sprechers nicht für die Festlegung der Referenz verantwortlich sein. Zudem zeigt dieses fiktive Beispiel, dass die Referenz vieler Ausdrücke von der Umgebung abhängt, in der sie gelernt wurden; diese Eigenschaft wird als Indexikalität bezeichnet.

Da Putnam daran festhalten möchte, dass die Bedeutung eine eindeutige Bestimmung der Extension bzw. Referenz leistet, ergibt sich die Konsequenz, dass Bedeutungen nicht mit geistigen Zuständen identifiziert werden können. Bedeutungen können sich aber auch nicht in Stereotypen als den uns zur Verfügung stehenden Begriffsinhalten erschöpfen, da diese keine eindeutige Festlegung der Extensionen leisten. Putnams Ausweg besteht darin, Bedeutungen als komplexe Entitäten aufzufassen und neben der Stereotype auch die Extension als eine Bedeutungskomponente zu betrachten. Es gilt dann trivialerweise, dass die Bedeutung die Extension bestimmt. Daneben nimmt Putnam noch zwei weitere Komponenten in die Bedeutung auf. Dies sind einmal syntaktische Marker, die den syntaktischen Typ des Wortes bestimmen (bei ›Wasser‹ z. B. Massenterminus, Hauptwort), zum anderen semantische Marker, die eine allgemeine Klassifikation des Objektes vorgeben (natürliche Art, Flüssigkeit).

Obwohl Putnam entgegen Quine an der Möglichkeit einer Bedeutungstheorie festhält, lehnt er ebenso wie dieser die von Carnap vertretene Ansicht ab, es handele sich dabei um eine erfahrungsunabhängige Disziplin, deren Resultate analytische Sätze sind. Vielmehr beruht nach Putnam auch die Sprachphilosophie auf empirischen Hypothesen, was sich z. B. daran zeigt, dass die Referenz der Ausdrücke für natürliche Arten von der Mikrostruktur der betreffenden Substanzen abhängt. Semantische Eigenschaften von Begriffen hängen also von wissenschaftlichen Theorien ab.

Auch im Bereich der Wissenschaftstheorie hat Putnam zu einer Vielzahl von Themen einflussreiche Beiträge geliefert. Beispiele sind seine Kritik an der so genannten ›anerkannten Theorieauffassung‹ des logischen Empirismus (What Theories Are Not , 1962 ) und am Falsifikationismus Poppers, nach dem eine Theorie als falsch betrachtet und revidiert werden muss, wenn sie durch die Erfahrung falsifiziert wurde. Diese Ansicht ist nach Putnam in dieser einfachen Form nicht haltbar, denn sie verkennt, dass es in der Wissenschaft gewisse Rahmenprinzipien gibt, die relativ zu einem bestimmten Erkenntnisstand unrevidierbar sind. Solche in ihrem Kontext apriorischen Prinzipien können nicht durch Beobachtungsbefunde verdrängt werden, sondern nur durch das Auftauchen einer neuen Theorie. Damit schränkt Putnam gleichzeitig die quinesche Kritik am Begriff des analytischen Satzes ein, denn die Rahmenprinzipien sind relativ zu einem gegebenen Kontext in dem Sinne analytisch, dass sie unrevidierbar sind (›Two Dogmas‹ Revisited , 1976 ).

Charakteristisch für Putnams Wissenschaftsphilosophie ist zunächst eine realistische Position. Sie ist gekennzeichnet durch die Annahme, dass sich auch die theoretischen Begriffe einer Theorie, die nichts direkt Beobachtbares bezeichnen, auf real existierende Entitäten beziehen. Damit steht Putnam in direktem Gegensatz zu der im logischen Empirismus verbreiteten instrumentalistischen Auffassung, dass theoretische Begriffe nichts bezeichnen, sondern nur zur Vereinfachung und Systematisierung der Aussagen über beobachtbare Dinge eingeführt werden. Während der Instrumentalismus die Aufgabe von Theorien darin sieht, durch die Beobachtung überprüfbare Vorhersagen abzuleiten, besteht für Putnam ihre Aufgabe darin, wahre Aussagen über die von ihnen beschriebenen theoretischen Entitäten zu machen, wobei es sich allerdings nur um eine approximative Wahrheit handeln kann. Wahrheit wird hier also in einem korrespondenztheoretischen Sinne als Übereinstimmung mit der Realität verstanden. Der Realismus ist dabei nach Putnam selbst wieder eine empirische Hypothese, die empirisch bestätigt ist, weil sie die einzige Konzeption ist, die den wissenschaftlichen Fortschritt erklären kann (siehe z. B. Explanation and Reference , 1973 ).

Im Bereich der Philosophie des Geistes hat sich Putnam vor allem mit dem Leib-Seele-Problem beschäftigt, dem Verhältnis von Geist und Körper, und eine neue Theorie auf diesem Gebiet begründet, die als Funktionalismus bezeichnet wird (z. B. Minds and Machines , 1960 ). Putnams Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass diese Fragestellung zunächst vom Menschen gelöst wird und stattdessen Rechenmaschinen betrachtet werden, für die die Begriffe der Kybernetik angewandt werden können. Bei derartigen Maschinen kann man einmal ihren physikalischen oder strukturellen Zustand betrachten, der z. B. durch Stellungen von Zahnrädern, Verteilungen elektrischer Spannungen o.ä. beschrieben werden kann und von der Konstruktionsweise der Maschine abhängt. Daneben gibt es einen logischen oder funktionalen Zustand, z. B. die Ausführung einer bestimmten Rechenoperation, der durch das Programm der Maschine bestimmt ist. Offenbar kann derselbe funktionale Zustand durch verschiedene physikalische Zustände realisiert werden; die Addition zweier Zahlen kann durch mechanische ebenso wie durch elektronische Rechenmaschinen ausgeführt werden, das Programm ist nicht abhängig von der Bauweise der Maschine.

Nach Putnam besteht nun eine Analogie zwischen dem Verhältnis von physikalischen und funktionalen Zuständen bei Maschinen und körperlichen und geistigen Zuständen beim Menschen. Dass Menschen derartige Maschinen sind, hat Putnam dagegen nicht behauptet, und er übersieht auch nicht, dass sich beim Menschen Probleme stellen, die bei Maschinen nicht auftreten, z. B. dass das ›Programm‹ eines Menschen niemals genau angegeben werden kann. Die Analogie impliziert jedoch die These, dass es sich bei geistigen Zuständen des Menschen um funktionale Zustände handelt, womit sich Putnam gegen die Annahme des materialistischen Monismus wendet, dass geistige Zustände dasselbe sind wie körperliche Zustände. Ebenfalls widerspricht er damit dem Behaviorismus, nach dem geistige Zustände Verhaltensmuster oder Verhaltensdispositionen sind.

In den 70er Jahren ereignete sich eine einschneidende Wende im Denken Putnams (Realism and Reason , 1976 ), die durch eine grundlegende Revision seiner erkenntnistheoretischen Position bestimmt ist. In den bisher geschilderten Überlegungen ging Putnam von einer sprach- und theorieunabhängig existierenden Welt aus. Referenz wurde als Relation zwischen den Begriffen unserer Theorie oder Sprache und Teilen dieser Welt betrachtet, und Wahrheit wurde als Entsprechung von Theorie und Welt angesehen. Diese Position, die er nun als externen oder metaphysischen Realismus bezeichnet, hält Putnam nicht mehr für vertretbar. Nach seiner neuen Konzeption, dem internen Realismus, sind Referenz und Wahrheit nur relativ zu einem begrifflichen System bestimmt; die Frage, was wirklich existiert, kann in einem absoluten Sinne nicht gestellt werden. Der Unterschied lässt sich anhand folgender Überlegung deutlich machen. Angenommen, man hätte eine ideale Theorie der Natur, die widerspruchsfrei und empirisch optimal bestätigt ist und auch sonst alle Anforderungen erfüllt, die man an eine Theorie stellen könnte (Einfachheit, Kohärenz, maximale Vorhersagekraft etc.). Nach Auffassung eines externen Realisten könnte diese Theorie trotzdem falsch sein, weil aus ihren Eigenschaften nicht folgt, dass sie tatsächlich mit der Welt übereinstimmt. Ein interner Realist würde dagegen diese Annahme und den in ihr eingenommenen ›Gottesstandpunkt‹ als sinnlos ablehnen, weil von der Welt nicht unabhängig von einer Theorie oder einem begrifflichen Schema die Rede sein kann.

Dass der externalistische Standpunkt unhaltbar ist, hat Putnam mit dem viel diskutierten Argument der Gehirne im Tank nachzuweisen versucht (Reason, Truth and History , 1981 ). Ein Skeptiker könnte die Ansicht vertreten, dass wir nur Gehirne sind, die in einer Nährflüssigkeit liegen und mit Hilfe von elektrischen Stimulationen unserer Nervenendungen Wahrnehmungen vorgetäuscht bekommen, sodass unsere gesamte Welt in Wirklichkeit nur eine Illusion ist. Der externe Realist müsste zugestehen, dass die Aussage ›Wir sind alle nur Gehirne im Tank‹ wahr sein könnte. Aber würde ein solches Gehirn sagen oder denken: ›Ich bin ein Gehirn im Tank‹, so würde es sich nach der kausalen Referenztheorie mit ›Tank‹ nicht auf tatsächliche Tanks beziehen, sondern auf die für die Erzeugung der virtuellen Tanks verantwortlichen elektrischen Stimuli, denn auf diese verwiese die Referenzkette. Daraus folgt aber, dass diese Aussage falsch wäre, da sich das Gehirn laut Voraussetzung nicht in einem virtuellen, sondern in einem tatsächlichen Tank befinden sollte. Die Annahme, wir seien alle nur Gehirne im Tank, ist also selbstwiderlegend, womit zum einen der Skeptizismus bezüglich der Realität der Außenwelt entkräftet, zum anderen die Unsinnigkeit des externen Realismus gezeigt wurde. Daneben hat Putnam noch eine Reihe von anderen Argumenten für den internen Realismus vorgebracht, indem er z. B. einen Begriffsrelativismus zu begründen versuchte, nach dem selbst logisch grundlegende Ausdrücke wie ›Objekt‹ und ›Existenz‹ von einem vorher gewählten Begriffssystem abhängen und daher keine objektiv richtige Bedeutung haben können (The Many Faces of Realism , 1987 ).

Es ist klar, dass Putnam nach der Abkehr vom externen Realismus nicht mehr an einer Korrespondenztheorie der Wahrheit festhalten konnte, nach der die Wahrheit einer Theorie in der Übereinstimmung mit der theorieunabhängig existierenden Welt besteht. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Wahrheit mit rationaler Akzeptierbarkeit gleichzusetzen. Ein Kriterium dafür, wann es rational wäre, einen Satz für wahr zu halten, könnte sein Zusammenpassen mit dem System des bereits akzeptierten Wissens im Sinne einer Kohärenztheorie der Wahrheit sein. Diese Alternative entspricht aber nicht mehr der Forderung des Realismus, dass zwischen ›wahr sein‹ und ›für wahr halten‹ ein Unterschied bestehen muss. Putnam versucht einen Mittelweg, indem er Wahrheit als rationale Akzeptierbarkeit unter idealen epistemischen Bedingungen definiert. Die Zusatzbedingung soll die zeitliche Stabilität des Wahrheitsbegriffs sichern. Z. B. war vor mehreren tausend Jahren der Satz ›Die Erde ist eine Scheibe‹ sicherlich rational akzeptierbar, aber die epistemischen Bedingungen waren nicht ideal, weil den Menschen damals keine Mittel zur Überprüfung dieser Hypothese zur Verfügung standen. Somit können wir mit Recht sagen, dass dieser Satz damals genauso falsch war wie heute.

Ebenso wie er eine nicht realistische Wahrheitstheorie ablehnt, argumentiert Putnam auch gegen einen radikalen Relativismus, wie er von Feyerabend oder Rorty vertreten wird. Nach deren Auffassung sind Wahrheit und Rationalität grundsätzlich als relativ zu einer bestimmten Kultur aufzufassen. Putnam vertritt dagegen die Ansicht, dass es zur Beurteilung der rationalen Akzeptierbarkeit und damit der Wahrheit bestimmte Werte gibt, die zwar spezifisch menschlich sind, an deren Objektivität und kulturübergreifender Gültigkeit wir aber nicht zweifeln können.

Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, dass der Begriff der Rationalität eine zentrale Rolle in Putnams neuem philosophischen Denken einnimmt. Hatte er philosophische Fragen früher für empirisch entscheidbar gehalten, versteht er jetzt Philosophie als Theorie der menschlichen Rationalität und damit als Geisteswissenschaft. Aus der Komplexität der menschlichen Rationalität ergibt sich, dass jeder Versuch, sie durch eine Maschine zu simulieren, zum Scheitern verurteilt ist. Damit kann aber auch die Analogie zwischen funktionellen Maschinenzuständen und geistigen Zuständen beim Menschen nicht mehr aufrecht erhalten werden, was einer der Gründe war, die Putnam zur Aufgabe des Funktionalismus bewogen haben (Representation and Reality , 1988 ). In der Sprachphilosophie behielt Putnam zwar grundlegende Thesen wie die der sprachlichen Arbeitsteilung bei, vertritt nun aber ein ganzheitlicheres Bild von Bedeutung. Die Bedeutung eines Ausdrucks kann nicht durch eine Stereotype erschöpft werden, sondern ist nur durch die gesamte Sprache bestimmt, die als ein kollektives Unternehmen anzusehen ist. In die Bestimmung der Referenz eines Wortes gehen auch Kriterien der rationalen Akzeptierbarkeit ein, die wiederum von unseren Werten abhängig sind. Damit ist auch die kausale Referenztheorie nicht mehr haltbar; nicht die kausale Verknüpfung zwischen einem Wort und dem von ihm bezeichneten Gegenstand ist bestimmend für die Referenz, sondern unsere durch Absichten und Werte bestimmte Interpretationspraxis.

Putnams Denken befindet sich auch gegenwärtig weiter im Fluss. Seine Positionen in den 90er Jahren sind durch eine wiederum veränderte Variante des Realismus gekennzeichnet. Charakteristisch für diesen ›direkten Realismus‹ ist die Annahme, dass wir einen unmittelbaren wahrnehmungsmäßigen Zugang zumindest zu unserer Umwelt haben. Auch philosophiehistorische Überlegungen nehmen einen immer breiteren Raum in Putnams Arbeiten ein, wobei die explizite Anknüpfung an die Tradition des amerikanischen Pragmatismus im Mittelpunkt steht (Pragmatism: An Open Question , 1995 ).

A. Burri, Hilary Putnam , Hamburg 1994

W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie , Band II, 8. Aufl. Stuttgart 1987

A. Mueller, Referenz und Fallibilismus , Berlin / New York 2001

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hg. v. Wulff D. Rehfus
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt