Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Lothar Aßmann

Stoa

Im Begriff der ›stoischen Ruhe‹ ist im heutigen Sprachgebrauch noch ein Verweis auf die im 3. vorchristlichen Jh. entstehende, sehr lebenspraktisch ausgerichtete Philosophie der Stoa erkennbar. ›Stoa‹ hieß die von Polygnot ausgemalte Säulenhalle in Athen, sie war der erste Versammlungsort der Stoiker und gleichzeitig Namensgeberin für die Bewegung. Wie keine andere Philosophie hat sie zunächst die Römische Republik und im Anschluss das Kaiserreich geprägt. Zu den bedeutendsten Vertretern zählen Seneca, der Miterzieher Neros, und Kaiser Marc Aurel. Aufgeteilt ist die Stoa in Logik, Physik und Ethik. In der Logik haben die Stoiker auf die Einteilung des Aristoteles in Begriff, Urteil und Schluss zurückgegriffen, sie an manchen Stellen modifiziert, z. B. in der Urteilslehre, und sie in einigen Punkten erweitert, z. B. in der Analyse des logischen Schließens. In erkenntnistheoretischer Hinsicht sind sie naive Realisten. Der Geist an sich ist leer, seine Inhalte sind Vorstellungen, die von den mich umgebenden Dingen gebildet werden. Eine Erkenntnis ist dann gegeben, wenn die Vorstellung den Gegenstand sachgemäß darstellt. In der Physik haben sie die Wirklichkeit als bloße Körperlichkeit gedeutet, die aber von einer lebendigen und kosmischen Kraft beherrscht wird, einer Weltvernunft, die zyklisch die Welt vernichtet und neu aufbaut. Auch die Seele ist ein materielles Gebilde, eine Synthese der Elemente Luft und Feuer. Es gibt unter den Stoikern keine Einigkeit in der Frage, wie die Seele mit dem Körper zusammen besteht oder ob sie nach dem Tod weiterlebt. Einverständnis besteht jedoch darin, dass sie den Körper beherrschen soll. Ein wichtiger anthropologischer Aspekt ist die Triebtheorie. Triebe werden dadurch aktiviert, dass der Körper Vorstellungen von außen empfängt. Die Vernunft kann diese Triebe sogar noch verstärken, sodass sie übermächtig werden und zu Schmerz, Furcht und Lust führen. Mäßigung der Affekte und Leidenschaften und Herstellung eines vernünftigen Willens ist die eigentliche Aufgabe der Vernunft.

Der wichtigste Teil der Stoa und gleichzeitig der, welcher am nachhaltigsten gewirkt hat, ist die Ethik. Was aber ist das sittlich Gute? Nach Meinung der Stoa ist dies das naturgemäße Leben, das Sich-Einfügen in die vorgegebene kosmische Ordnung. Wer diese Weltvernunft erkannt hat, die sich auch in der menschlichen Vernunft niederschlägt, der sollte seine Pflicht tun und dieser Ordnung gemäß handeln und leben. Es macht keinen Sinn, sich gegen das Schicksal aufzulehnen, gelassen soll man dem begegnen, was unabwendbar ist. Nur das vernünftige, an den kosmischen Gesetzen ausgerichtete Handeln führt zum Glück. Vielleicht die größte Leistung der Stoa ist die Konzeption eines Naturrechtsgedankens: Wer mit Vernunft ausgestattet ist, ist Teil des kosmischen Logos. Alle Menschen sind somit gleich und im Besonderen auch mit Rechten ausgestattet, wir würden diese als Menschenrechte bezeichnen, die keine staatliche Rechtsordnung außer Kraft setzen kann. Diese Auffassung hat sich in der Spätantike zunehmend durchgesetzt und dazu geführt, dass z. B. immer wirksamere Schutzgesetze für Sklaven erlassen wurden.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt