Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Axel Spree

Affekt

Von lat. affectus , ›Gemütsstimmung, Erregung‹: meist heftige Gemütsbewegung, die durch Erregung des Gefühls, Abreaktion und mehr oder weniger vollständige Ausschaltung des klaren Denkens gekennzeichnet ist. Im Unterschied zur Leidenschaft ist der Affekt von geringerer Dauer und geringerer seelischer Tiefe. Während die Affekte durch die Jahrhunderte fast durchweg als negativ und der Vernunft entgegengesetzt aufgefasst wurden, hat sich heute eher die Ansicht durchgesetzt, dass sie eine notwendige Voraussetzung für die Kreativität des Menschen darstellen.

Von der Antike bis zur Neuzeit (A) wird der Affektbegriff weiter als heute allgemein üblich gefasst. In der griechischen Philosophie umfasst er den gesamten Bereich der Gefühls- und Gemütszustände. Für Aristoteles bezeichnet Affekt alle diejenigen seelischen Zustände, die mit Lust oder Schmerz verbunden sind, also Begierde, Freude, Angst oder Zorn. Die Affekte sind an sich weder gut noch schlecht, sondern natürliche Zustände des Menschen; sie müssen allerdings von der Vernunft beherrscht werden, da sie andernfalls die gefühls- und willensmäßige Unterwerfung des Menschen unter die Bedingungen der Umwelt nach sich ziehen. Aristoteles fordert deshalb nicht die Unterdrückung, wohl aber die Mäßigung der Affekte. In der Philosophie der Stoa kommt es dann zu einer Abwertung der Affekte, die auch von der christlichen Philosophie, besonders der Asketik, übernommen wird. Demnach stehen die Affekte dem Erreichen der Seelenruhe (Ataraxie, Apathie) im Weg und müssen deshalb als widernatürliche und unvernünftige Gemütsbewegungen bekämpft werden. Trotzdem kennt auch die stoische Philosophie – ebenso wie später die Scholastik – durchaus auch positive oder ›gute‹ Affekte, nämlich solche, die in Übereinstimmung mit der Vernunft stehen (wie Vorsicht, Freude, vernünftiges Wollen), im Gegensatz zu den negativen oder ›schlechten‹ Affekten wie Begierde, Schmerz und Furcht. Erst in der Renaissance (A) allerdings kommt es zu einer eindeutig positiven Aufwertung der Affekte, die nun als Voraussetzung für schöpferische Leistungen des Menschen angesehen werden. Für Kant – von dem die im 19. Jh. äußerst einflussreiche Unterscheidung zwischen Affekt und Leidenschaft stammt – sind die Affekte letztlich vernunftwidrig und müssen als solche bekämpft werden; insofern steht er in der stoischen Tradition. Im 19. Jh. verlagerte sich die Untersuchung der Affekte in den Bereich der Psychologie, die sich im 20. Jh. mehr der Analyse der Leidenschaften zuwandte.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt