Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Andreas Preußner

Logos

Griech. ›Rede, Sprache, Gedanke, Vernunft, Sinn, Rechenschaft‹: Der Gebrauch ist in der Philosophie sehr vielschichtig. Daher ist es schwierig, einen festen Kern der Begriffsbedeutung herauszuschälen. Gemeinsam ist allen Bedeutungen von Logos ein Aspekt von Ordnung. In der frühen Philosophie meint Logos soviel wie das Prinzip einer nach Gesetzen sich organisierenden Welt. Der Mensch, der Bewohner dieser Welt ist, kann des Logos mehr oder minder teilhaftig werden. Er kann die Verhältnisse der in der Welt vorkommenden Dinge gedanklich erfassen und auch sprachlich zum Ausdruck bringen. So kommt es, dass der Logos in der Definition des Menschen zur spezifischen Differenz wird (zoon logon echon = das den Logos habende Lebewesen). In der Ableitung eines menschlichen Vermögens von einer zunächst übermächtigen, ja sogar göttlichen Kraft zeigt sich die bevorzugte Stellung des Menschen in einer Welt von lauter unterschiedlichen Lebewesen. Alle außer ihm werden von außerlogischen Kräften (z. B. Instinkten) bestimmt. Daher kommt es, dass der Logos für den Menschen zum führenden Vermögen wird. Seinen Sitz hat er in der Seele, die allerdings auch von anderen Kräften bewohnt wird. Um zur Herrschaft zu gelangen, muss sich nach Platon das Vernünftige (logistikon ) mit dem mutvollen Drang (thymoeides ) verbünden, dem es zukommt, das Begehrende (epithymetikon ) nicht zur Macht gelangen zu lassen. Der Logos tritt in mannigfachen Erscheinungen zu Tage. Zum einen ist er das vernünftige Erfassen der Welt in ihren unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten, andererseits aber auch das Vermögen, über sich und seine Handlungen Rechenschaft ablegen (logon didonai ) zu können. Daher tritt der Logos im Widerstreit der je eigenen Erkenntnisse als Instanz in den Vordergrund, die die überpersönliche Wahrheit zu Tage fördert. Im Durchsprechen der Problematik zeigt sich durch rechenschaftlichen Bericht über die eigenen Ansichten, wie diese auf die Höhe einer allgemeinen Einsicht gebracht werden können. Der Logos ist also insofern Rede, als er Beweisführungen, Darlegungen und Verhältnisse zur Sprache bringt und offen legt. Er überwindet damit die bloß private Sphäre des Menschen und bringt ihn in die Gemeinschaft des miteinander Denkens und somit auch Philosophierens. In dem Bereich der philosophischen Wissenschaft, wie sie von Aristoteles ersonnen wurde – theoretische Philosophie als Logik – bedeutet Logos soviel wie Definition. Die Wissenschaft überhaupt muss bestrebt sein, eine begründete Definition ihres Gegenstandes zu geben. So kommt es zur Entdeckung des Syllogismus, wo das Verhältnis zweier Termini aufgrund eines dritten bestimmt wird, der als mittleres Glied zwischen die beiden anderen tritt. Einen anderen Aspekt kehrt Aristoteles in derEthik hervor: Hier zeigt sich das sittliche Verhalten als ein Leben gemäß dem richtigen Logos. Der Logos bestimmt die richtige Mitte, die beim sittlichen Handeln stets zu wählen ist. Die Philosophie der Stoa kehrt in einer Hinsicht wieder zum kosmologischen Logosbegriff zurück. Logos meint dann ein alle Materie durchdringendes ordnendes Prinzip, das mit dem Göttlichen identifiziert werden kann. Andererseits ist aber auch jeder Mensch mit einem Teil dieses universalen Logos begabt. Die menschliche Seele ist in der Lage Urteile zu bejahen oder zu verneinen. Es kommt in der stoischen Ethik alles darauf an, dass die Seele falsche (dem Logos nicht entsprechende) Urteile nicht in sich einlässt, dafür die richtigen (dem Logos entsprechenden) aufnimmt.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt