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Dr. Herbert Wiesen

Kausalität

Das Prinzip der Kausalität, der Ursächlichkeit, drückt die Grundüberzeugung der Naturwissenschaften aus, dass jedem Ereignis, jeder Wirkung eine (zeitlich früher liegende) Ursache vorausgeht.

Aristoteles unterscheidet zwischen vier Ursachen, der causa materialis (materielle Ursache), causa formalis (Formursache), causa efficiens (Wirkursache) und causa finalis (Zweckursache). Mit Beginn der Neuzeit (A) blieb von diesen vier Ursachen nur noch die Wirkursache übrig, nämlich das Kausalitätsprinzip. Es besagt: Jedes Ereignis hat eine Ursache. Das Schema sieht nach Popper folgendermaßen aus: 1. Das Gesetz (der allgemeine Satz, der als Hypothese fungiert); 2. die Rand- oder die Anfangsbedingungen; 3. die Prognose (die erwartete Wirkung)

Stegmüller hat vorgeschlagen, das Kausalitätsverhältnis nicht zu sehen als ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis, sondern als Erklärungspotenzial: ›Zu jedem Ereignis gibt es eine adäquate kausale Erklärung«. Aus der Prognose wird dann das Explanandum.

Das Kausalitätsprinzip erfährt in den modernen Naturwissenschaften Einschränkungen: Durch das Postulat der Lichtgeschwindigkeit als absolut höchster möglicher Geschwindigkeit (Einsteins Relativitätstheorie) gibt es Ereignisse, die nicht miteinander in Beziehung gebracht werden können.

Wesentlich gravierender ist die Einschränkung der Kausalität durch die Quantenmechanik und in der Quantenmechanik. Die Quantenmechanik ist nämlich nicht in der Lage, über gewisse Prozesse (z. B. den radioaktiven Zerfall) andere als statistische Vorhersagen zu machen. Man kann zwar (über das Quadrat der Wellenfunktion) die Wahrscheinlichkeiten für den Kernzerfall berechnen, aber für den einzelnen konkreten Kern kann man den genauen Zeitpunkt oder einen spezifischen Auslöser des Zerfalls nicht angeben. Die Wirkung des Kernzerfalls lässt sich also nicht direkt mit einer Ursache in Beziehung bringen.

Im Bereich der Chaostheorie erfolgt darüber hinaus eine Differenzierung des Begriffs Kausalität. Man unterscheidet: starke Kausalität (ähnliche Ursache haben ähnliche Wirkungen) und schwache Kausalität (gleiche Ursachen haben gleiche Wirkungen).

Je nach zugrunde liegender Literatur wird dieser ›schwache‹ Kausalitätsbegriff auch als selbstverständlich und unabdingbar für die Arbeitsweise der Naturwissenschaften vorausgesetzt und nicht weiter spezifiziert, manchmal wird er auch als ›strenge‹ Kausalität bezeichnet. Unter schwacher Kausalität versteht man dann, dass ähnliche Anfangsbedingungen völlig unterschiedliche Ergebnisse zur Folge haben können (z. B. die Landeorte von Luftballons nach einem Massenstart dieser Ballons).

Ph. Frank, Das Kausalgesetz und seine Grenzen , Frankfurt/M. 1988

P. Coveney, R. Highfield, Anti-Chaos , Reinbek 1994

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt