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Dr. Thomas Blume

Individuum

Lat. ›das Ungeteilte, das Unteilbare‹: Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Individuum zumeist einen bestimmten einzelnen Gegenstand. Oftmals erstreckt sich die Anwendung des Begriffs jedoch nur auf lebendige Dinge, manchmal ist der Begriff allein der Bezeichnung von Menschen oder Lebewesen mit Bewusstsein vorbehalten.

Im logischen Sprachgebrauch, insbesondere in formalen Systemen, bezeichnet man jeden Gegenstand der ersten Stufe im Gegensatz zu den Gegenständen höherer Stufe wie z. B. Klassen, Begriffe, Relationen und Aussagen als Individuum. Individuen sind das, was eine ein- oder mehrstellige Funktion erfüllen kann. Nimmt man z. B. die einstellige Funktion ›x ist schön‹, so sind demgegenüber Gegenstände wie Greta Garbo oder ein Bild von van Gogh Individuen.

In der philosophischen Tradition waren die ersten Individuen die Atome der griechischen Atomisten – kleine materielle Teilchen, von denen angenommen wurde, dass sie unteilbar seien und dass sich alle makroskopischen Gegenstände aus ihnen zusammensetzen würden.

Für den modernen Sprachgebrauch wurde allerdings nicht die atomistische, sondern die aristotelische Individuenkonzeption maßgeblich. Für Aristoteles ist der Individuenbegriff eng an die logische Form der Sätze, mit denen wir über die Dinge sprechen, geknüpft. Individuen sind die so genannten ersten Substanzen, dasjenige, wovon etwas ausgesagt wird, das aber nicht selbst von etwas anderem ausgesagt werden kann. Solch eine erste Substanz ist z. B. Sokrates, denn von Sokrates lässt sich etwa aussagen, dass er der Lehrer von Platon war oder dass er eine Stülpnase hatte. Man kann aber nicht ohne Schwierigkeiten den Namen Sokrates als Prädikat auf etwas anderes anwenden in der Weise, wie man von etwas sagen kann, dass es weiß, lang, klug oder langsam ist.

Für Leibniz ist ein Individuum ein vollständig bestimmtes Einzelding. Der Begriff eines solchen Individuums lässt sich bilden, indem man alle Eigenschaften angibt, die auf einen Gegenstand zutreffen oder nicht zutreffen. Danach gelangt man zu einem Individualbegriff von Julius Cäsar als Individuum, indem man alle Eigenschaften nennt, die auf Julius Cäsar zutreffen oder nicht zutreffen, also z. B. dass er die und die Haarfarbe hatte, so und so groß war – und weiter, indem man alle Relationen angibt, in denen Cäsar gestanden oder nicht gestanden hat, also z. B. dass er den Rubikon überschritten hat, von Brutus umgebracht worden ist usw. Eine derartige Bestimmung würde letztlich dazu führen, dass man einen Begriff erhält, der ein bestimmtes Individuum eindeutig beschreibt, zu dem es also keine zwei Individuen gibt, die unter denselben Begriff fallen würden. Allerdings ist eine solche in allen Hinsichten vorgenommene Bestimmung nur für Gott möglich. Aus diesem Grunde übt Kant Kritik an Leibniz’ Begriff des Individuums, und erklärt ihn zu einem ›transzendentalen Ideal der Vernunft‹, also zu etwas, das man erreichen möchte, jedoch aufgrund menschlicher Beschränktheit niemals zu erreichen in der Lage ist.

In der analytischen Philosophie spielt der Begriff des Individuums vor allem bei Strawson eine Rolle. Anknüpfend an Aristoteles ist bei ihm dasjenige, worauf sich der Subjektausdruck eines Satzes bezieht und dem mit einem Prädikatausdruck eine bestimmte Eigenschaft zugeschrieben wird, ein Individuum.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt