Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Thomas Blume

Definition

Lat. ›Begrenzung‹: die Bestimmung eines Begriffs bzw. die Festsetzung der Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks. Dabei wird der Ausdruck, welcher zur Festlegung der Bedeutung verwendet wird, als Definiens, der zu definierende bzw. der in seiner Bedeutung zu bestimmende Ausdruck als Definiendum bezeichnet. Nach der klassischen, auf Aristoteles zurückgehenden Definitionslehre besteht eine Definition in der Angabe der Gattungs- und Artmerkmale. In Anlehnung an Aristoteles heißt es in der mittelalterlichen Scholastik: definitio fiat per genus proximum et differentiam specificam ; etwas ist durch die Angabe der nächst höheren Gattung und der spezifischen Differenz, des artbildenden Unterschieds, zu definieren. Mit Hilfe der spezifischen Differenz wird aus einer bestimmten Gattung ein Teil, die Art, ausgegliedert und definiert. Gemäß dieser Lehre lautet die Definition von ›Mensch‹ als Definiendum ›vernunftbegabtes Lebewesen‹. ›Lebewesen‹ ist hierbei Gattungsbegriff, ›vernunftbegabt‹ spezifische Differenz. Menschen sind demnach diejenigen Glieder der Gattung von Lebewesen, die über das spezifische oder artbildende Merkmal verfügen, Vernunft zu besitzen. Ein Quadrat als Definiendum ist ein Rechteck (Gattungsbegriff = genus proximum ) mit vier gleich langen Seiten (artbildender Unterschied = differentia specifica ). Grundlage dieses Definitionsverfahrens ist die Annahme, dass alle Gegenstände in einer hierarchischen Struktur angeordnet werden können, die entsprechend den Begriffen Gattung und Art gegliedert ist.

Die mittelalterliche und neuzeitliche Philosophie kennt eine Reihe heute nicht mehr üblicher Definitionsarten. Die wichtigsten Vertreter sind Nominal- und Realdefinition. Eine Nominaldefinition dient der Regelung des Sprachgebrauchs, während eine Realdefinition das Wesen einer Sache angibt. Nominaldefinitionen sind Worterläuterungen, Realdefinitionen sind Sacherklärungen, die stets nach dem Schema von Gattung und artbildendem Unterschied verfahren. Die Rede von einer Realdefinition impliziert eine Auffassung, nach der Dinge ein Wesen besitzen, das in der Definition Ausdruck findet.

In der modernen philosophischen Diskussion unterscheidet man zunächst zwischen impliziter und expliziter Definition. Bei einer expliziten Definition steht auf der einen Seite der Definition das Definiens, auf der anderen Seite das Definiendum. Beispiel einer expliziten Definition ist der Satz ›Wärme ist mittlere kinetische Energie der Teilchen‹. Bei einer impliziten Definition gibt man die Bedeutung eines Ausdrucks an, indem man zum Beispiel die Beziehungen nennt, in denen die zu definierenden Ausdrücke stehen. So definiert man in der Mathematik die Gegenstände Punkt und Gerade dadurch, dass man die Axiome der Systeme der Gegenstände angibt. Im vorliegenden Fall lauten diese: 1. Zu zwei Punkten gibt es stets eine Gerade, auf der diese liegen. 2. Es gibt nicht mehr als eine Gerade, auf der diese Punkte liegen. Zu den impliziten Definitionen ist die Kontextdefinition zu zählen, bei der ein Ausdruck dadurch definiert wird, dass man Sätze nennt, in denen der Ausdruck vorkommt, und weiter angibt, wie diese Sätze durch andere, bedeutungsgleiche Sätze ersetzt werden können, in denen der Ausdruck nicht mehr vorkommt. So lautet z. B. eine Kontextdefinition des Subtraktionszeichens: ›(x – y = z) = df (x = z + x)‹. Die Kontextdefinition ist vor allem im Zusammenhang der Thematik der Eigennamen von Belang, weil man nach Auffassung mancher Autoren die Bedeutung eines Eigennamens wie z. B. ›Moses‹ nicht anders als auf dem Wege einer Kontextdefinition bestimmen kann. Nach dieser Konzeption wird die Bedeutung des Eigennamens ›Moses‹ durch Ausdrücke wie ›der Mann, der die Israeliten nach Ägypten geführt hat‹ oder ›der Mann, der auf dem Berge Sinai die Gesetzestafeln empfangen hat‹ bestimmt. Kontextdefinitionen finden vor allem dann Anwendung, wenn es nicht möglich ist, einen Gegenstand durch Ostension, d. h. durch eine hinweisende Geste zu bestimmen, wie das überall dort der Fall ist, wo ein Gegenstand nicht mehr existiert.

Bei einer ostensiven Definition wird ein Ausdruck durch die Vorführung von Beispielen und Gegenbeispielen definiert, auf die durch Zeigegesten hingewiesen wird. Standardbeispiel für eine ostensive Definition ist das Erlernen von Farbwörtern an Hand von Farbtafeln oder farbigen Gegenständen, auf die der Lehrer zeigt und dabei das entsprechende, von dem Schüler zu erlernende Farbwort ausspricht.

Operationale Definitionen bestimmen einen Begriff dadurch, dass sie ein Verfahren oder eine Methode angeben, die ein Anwendungskriterium des Begriffs nennen. Mittels operationaler Definitionen werden beispielsweise dispositionale Begriffe, wie ›wasserlöslich‹, ›zerbrechlich‹ usw. definiert, wobei man die Methode nennt, mit der man feststellen kann, ob ein Gegenstand wasserlöslich oder zerbrechlich ist: ›Ein Gegenstand ist dann wasserlöslich, wenn er sich bei Zimmertemperatur in Wasser auflöst.‹ Auch der Begriff der Intelligenz lässt sich operational definieren durch die Nennung der Messmethode für Intelligenz: ›Intelligenz ist dasjenige, was sich mittels eines Intelligenztests bestimmen lässt.‹

In der Mathematik und Logik sind induktive und rekursive Definitionen gebräuchlich. Bei der induktiven Definition wird die zu definierende Funktion zunächst für ein Anfangsglied definiert und sodann der gesamte Anwendungsbereich durch wiederholte Anwendung einer Operation erzeugt. Ähnlich ist die Vorgehensweise bei einer rekursiven Definition, wie sie z. B. in der Logik üblich ist, wo die Extension eines Prädikats zunächst für die atomaren Sätze einer Sprache und die verschiedenen Verknüpfungsformen definiert wird, aus denen sich dann durch Anwendung eines rekursiven Verfahrens alle komplexen Sätze erzeugen lassen.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt