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PD Dr. Petra Kolmer

Zweifel

Von mhd. zwîfel , das mit ›zwei‹ verwandt ist: Umgangs- wie wissenschaftssprachlich das der Gewissheit entgegengesetzte Unsicherwerden oder Infragestellen von Annahmen, wobei sich zwei Formen des Zweifels unterscheiden lassen: zum einen (und der Herkunft des Ausdrucks entsprechend) das unentschiedene Schwanken zwischen zwei einander widersprechenden Annahmen, für die entweder gleich überzeugende Gründe vorliegen (positiver Zweifel) oder für die solche Gründe überhaupt fehlen (negativer Zweifel); zum anderen das einfache Infragestellen oder Unsicherwerden einer Annahme durch Einsicht in die Unzulänglichkeit der für sie gegebenen Gründe. Auf beide Formen bezieht sich die Unterscheidung zwischen theoretischem Zweifel daran (oder der Ungewissheit darüber), ob eine Aussagen wahr ist oder nicht, d. h. ob der von ihr dargestellte Sachverhalt existiert oder nicht (bzw. welche von zwei widersprechenden Aussagen wahr ist), und praktischem (moralischem, auch ethischem) Zweifel daran, ob eine Handlung oder Gesinnung bzw. welche von zwei Handlungen oder Gesinnungen gebilligt werden kann. (Spezielle Zweifel mit gewisser Zwischenstellung sind z. B. der religiöse Zweifel an der Existenz Gottes oder der existenzielle Zweifel am Sinn des Daseins).

Nun können nicht nur einzelne Aussagen, Handlungen und Gesinnungen (Glaubensannahmen und Sinnvorstellungen) in Frage gestellt oder unsicher werden, sondern auch die (theoretische und praktische) Erkenntnis- und Einsichtsfähigkeit des Menschen selbst. Ein radikaler und absoluter Zweifel in dieser Rücksicht – ein Zweifel, bei dem man stehen bleibt – charakterisiert die philosophische Position des Skeptizismus, aus der herauszuführen vor allem in der neuzeitlichen und neueren Philosophie als vordringliche Aufgabe angesehen wird. Ansatzpunkt dazu bietet der methodische (fiktive) Zweifel (Descartes, Husserl) – ein zwar ebenso radikales, aber nur vorläufiges Außerkraftsetzen aller geläufigen (Vor-)Urteile zu Zwecken einer wissenschaftlichen Erforschung, die auf Gewissheit zielt (in diesem Sinne ist nach Kant an die Stelle der supensio iudicii sceptica die für kritisches Philosophieren charakteristische suspensio iudicii indagatoria zu setzen). In solcher Methodisierung wird Zweifel »zum Bestandteil des philosophischen Begriffs der Kritik« (J. Mittelstraß).

J. Amsturz, Zweifel und Mystik bei Augustin. Eine philosophiegeschichtliche Studie , Bern 1950

R. Descartes, Meditationes de prima philosophia / Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen. Erste Meditation , Hamburg 1994

I. Kant, Immanuel Kants Logik – ein Handbuch für Vorlesungen , Hg. von G. B. Jäsche, 1800, in: Werkausgabe, Hg. von W. Weischedel, Bd. VI, 417–582, A 114, auch 7, Frankfurt/M. 1974 ff.

E. Husserl, Cartesianische Meditationen. Eine Einleitung in die Phänomenologie , Hamburg 1995

O. Marquard, Skeptische Methode im Blick auf Kant , 3. Aufl. Freiburg / München 1982

C. Wild, Philosophische Skepsis , Königstein 1980

H. Craemer, Für ein neues skeptisches Denken , Freiburg / München 1983

J. Mittelstraß, Art. ›Zweifel‹ , in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 4, Stuttgart 1996, 868 f.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt