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PD Dr. Petra Kolmer

Zweck

Mhd. zwec , ursprünglich ein Wort für ›Nagel‹ (vgl. noch ›Reißzwecke«), insbesondere für denjenigen Nagel, mit dem eine Zielscheibe in ihrem Zentrum befestigt ist, sodass er zugleich das Ziel des Schützen bildet. Seit dem 18. Jh. dient der Ausdruck zur Bezeichnung eines jeden durch den Willen, d. h. mit Absicht gesetzten Handlungsziels (geschehe diese Setzung nun bewusst oder unbewusst): Zweck ist dasjenige, um dessen Realisierung willen Handlungen geschehen, also (in traditioneller Terminologie) die Zielursache (causa finalis ) der Handlungen, die zugleich deren Ablauf bestimmt, ihnen Sinn und einer Handlungsabfolge Zusammenhang gibt. Handlungen können selbst Zweck sein (so im Falle sittlicher Praxis, wo gefordert ist, Handlungen um ihrer selbst willen zu tun) oder aber einem Zweck dienen, der außerhalb ihrer selbst liegt (so im hervorbringenden Tun, dem Machen, das unseren Alltag prägt). Im letzteren Falle besteht die Handlung (oder Handlungsabfolge) in der Anwendung derjenigen Mittel, die nach Ansicht des Handelnden geeignet sind, den Zweck – der zunächst nur als Absicht und Plan ›in seinem Kopf‹ existiert – in der Welt zu verwirklichen. Dabei ist der Zweck das Maß, das bestimmt, was als Mittel zu seiner Erreichung anzusehen ist, das Mittel dagegen (in traditioneller Terminologie) die Ursache der Bewirkung des Zwecks (Wirkursache, causa efficiens ). – Von Bedeutung ist, dass die Verwendung des Ausdrucks ›Zweck‹ der Herkunft des Ausdrucks nach auf Ziele willentlich-absichtsvollen Tuns eingeschränkt bleibt. Zweck meint nicht Ziel überhaupt (griech. telos , lat. finis ); sein primärer Geltungsbereich ist die menschliche Lebenspraxis. Dass sich der Ausdruck daher zur Charakterisierung von Dingen in der physischen Natur (als Naturzwecke) bzw. der ganzen Natur (als verwirklichtem Zweck) nur dann verwenden lässt, wenn man der Natur selbst Intelligenz und einen freien Willen zuschreibt bzw. auf ein höheres intelligentes Wesen (Gott) rekurriert, für das es hätte Zweck sein können, die ganze Natur hervorzubringen, ist vor allem von Kant kritisch reflektiert worden: Implizit Bezug nehmend auf Naturdeutungen, die von der Zweckvorstellung Gebrauch machen – z. B. in der antiken Kosmogonie Xenophon, in der mittelalterlichen Theologie Thomas von Aquin – zeigt Kant in der Kritik der reinen Vernunft und der Kritik der Urteilskraft , dass Zweck kein Grundbegriff der (erfahrungswissenschaftlichen) Naturerkenntnis sein kann, für die die Natur im Ganzen ein großer ›Mechanismus‹ ist, aber doch ein Grundbegriff der Interpretation erfahrungswissenschaftlich zu erforschender Natur (d. h. einer Beurteilung ›als ob‹), ohne den wir uns weder das Vorkommen von Organismen noch von Menschen in der Natur, d. h. von Naturwesen, die sich mit Bewusstsein Zwecke setzen, plausibel machen könnten.

I. Kant, Kritik der reinen Vernunft , Werkausgabe, Hg. von W. Weischedel, Frankfurt/M. 1974 ff., B 697 ff. (A 669 ff.), insbes. B 715 f. (A 687 f.)

I. Kant, Kritik der Urteilskraft , Zweiter Teil: Kritik der teleologischen Urteilskraft, §§ 61 ff., Werkausgabe, Hg. von W. Weischedel, Frankfurt/M. 1974 ff., B 267 ff. (A 263 ff.)

H. Brockhard, Art. ›Zweck‹ , in: Handbuch philosophischer Grundbegriffe, Hg. v. H. Krings / H. M. Baumgartner / Chr. Wild, München 1974, Sp. 1817–1828

O. Schwemmer, Art. ›Zweck‹ , in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 4, Stuttgart 1996, Sp. 865–868

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt