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Dr. Thomas Zwenger

Wirklichkeit

griech. energeia, lat. actualitas , realitas , engl. reality , frz. réalité : Wie viele andere sehr abstrakte Begriffe auch umgreift der Begriff unterschiedliche sprachliche Bedeutungsnuancen: Er ist gleichermaßen die Gesamtheit alles wirklich Seienden (Sein) wie auch dessen Inbegriff, das Wirklich-Sein des Seienden. Er meint sowohl die Vorhandenheit des Wirklichen als auch sein Wesen. Die Wirklichkeit ist nicht selbst etwas, aber sie ist Bedingung dafür, dass etwas ›wirklich‹ etwas ist. Sie ist also das Gegenteil des bloß Scheinbaren, des bloß Ausgedachten, Vorgegaukelten, Virtuellen. Virtuelle Realität ist eine contradictio in adjecto .

Philosophisch hat der Begriff zwei ineinander greifende Bedeutungsfelder, die man das metaphysische und das erkenntnistheoretische nennen könnte. Als metaphysischer Begriff gehört Wirklichkeit zu den Modalbegriffen. Er bezeichnet das Gegenteil der Möglichkeit. Im Gegensatz zur Potenzialität des noch nicht Seienden hat das Wirkliche wesentlich Aktualität bzw. gegenwärtiges Sein. In der Entgegensetzung von Akt und Potenz bezeichnet Aristoteles in seiner Metaphysik energeia oder entelechia als die Verwirklichung einer in einem Seienden angelegten Möglichkeit bzw. eines Vermögens (dynamis ). Die Wirklichkeit ist das Prinzip der Vollendung der Form- oder Gestaltgebung (eidos und morphe ) des Seienden, während der Stoff oder die Materie (hyle ) das Prinzip des Möglichen, weil noch nicht Geformten, noch nicht Wirklichen vertritt. Dabei ist nach Ansicht des Aristoteles Bewegung das Prinzip des Übergangs vom Möglichen zum Wirklichen. Die Bewegung ist das Streben des Möglichen, sich zu verwirklichen – Zum metaphysischen Wirklichkeits-Konzept gehört auch die Gegenüberstellung von Wirklichkeit und Schein. Diese hängt mit dem in Altertums (A) und Mittelalter (A) bekannten ontologischen Wahrheitsbegriff zusammen, nach welchem das Wirkliche ›wahr‹ bzw. das wahrhaft Seiende sei. Demgegenüber musste das Nicht-Wirkliche in seinem Seins-Status als defizient angesehen werden.

Als erkenntnistheoretischer Begriff bezeichnet Wirklichkeit die Realität des vom Denken und Bewusstsein Unabhängigen. Wirklich ist das, was als außerhalb unserer Vorstellungen oder unseres Denkens für sich und unabhängig von uns vorgestellt wird. Hier zeigt sich das erkenntnistheoretische Grundproblem: Wie kann das schlechterdings dem Vorstellen Äußerliche vorgestellt werden? Descartes entwickelt in den Meditationen ein zwar unvollständiges, jedoch durchaus einleuchtendes Modell der Wirklichkeit der Erkenntnis, indem er den Sachgehalt der Vorstellungen (Ideen) als ihre realitas objectiva durch die zwar transzendente, aber die reine Aktualität darstellende realitas formalis ›bewirkt‹ denkt. Für Kant gibt es diese Transzendenz nicht mehr, da hier Wirklichkeit das in der Anschauung Präsente ist. Wirklich ist demnach, »was mit den materialen Bedingungen der Erfahrung (Empfindung) zusammenhängt«.

Aristoteles, Metaphysik , Bonitz-Übersetzung neu hg. mit Kommentar v. H. Seidl, Hamburg 1982

H. Binder, Probleme der Wirklichkeit. Von der Naturwissenschaft zur Metaphysik , Bern 1975

N. Hartmann, Möglichkeit und Wirklichkeit , Berlin 1938

H.-D. Klein, Vernunft und Wirklichkeit , Wien / München 1973

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt