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Prof. Dr. Armin G. Wildfeuer

Wertethik

Bezeichnung für eine in der Tradition der phänomenologischen Wertlehre stehende Ethik, die Handlungen durch den Bezug auf ein (hierarchisch geordnetes) Reich von Werten zu begründen versucht. Obgleich der Sache nach seit Platons und Aristoteles’ Frage nach dem höchsten Gut die gesamte abendländische Geistesgeschichte von der Diskussion über den Charakter, die Herkunft, die Existenzweise, die Objektivität oder Subjektivität, die absolute oder relative Geltung von sittlichen Werten geprägt ist und dies in unterschiedlichen Tugend- und Güterlehren verschiedene Antworten gefunden hat, ist für die Entwicklung einer eigenständigen Wertethik die um den Begriff des ›Wertfühlens‹ zentrierte vor-subjektive oder objektive Wertlehre F. Brentanos von besonderer Bedeutung, der zufolge – unter Aufnahme von Motiven der Wertphilosophie des 19. Jhs. – die innerlich gefühlte Wertevidenz die letzte Instanz für die Richtigkeit von Werten ist. Der Phänomenologe Husserl (Vorlesungen über Ethik und Wertlehre , 1908–1914 ) schließlich, der den Wert als das intentionale Korrelat des wertenden Aktes bestimmt, begründete die Hauptrichtung der Wertethik des 20. Jhs., die phänomenologische Wertethik, die dann 1913 durch Scheler (Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik ) sowie 1926 durch N. Hartmann (Ethik ) eine jeweils eigene bedeutende Ausgestaltung erfuhr. Nach Scheler sind Werte als eigenständiges, vom Seienden unabhängiges Apriori aufzufassen, zugänglich im intentionalen Fühlen als dem »emotionalen Apriori« der Erfassung einer objektiv bestehenden Werthierarchie durch das Individuum, sodass sich eine intersubjektive Prüfung von Werten erübrigt. Intendiert ist damit eine Gegenkonzeption zur kantischen Pflichtethik, deren – vermeintlicher – Formalismus, Subjektivismus, Rationalismus und Universalismus zurückgewiesen wird. Hartmann verstärkt die Lehre Schelers insofern, als er die Systematisierung eines an sich bestehenden Reiches von hierarchisierten, »unberührt von Subjekten« existierenden Werten versucht, die er durch Einzelanalysen konkretisiert.

Bereits im Rahmen der wertethischen Begrifflichkeit haben Autoren wie Reininger (1939) die Gründung einer subjektunabhängigen Wertordnung auf das Wertfühlen kritisiert und demgegenüber die Subjektivität der Werterkenntnis, die sich als Selbsterkenntnis des Wertenden darstellen lässt, herausgearbeitet. Auch D. v. Hildebrand gründete seine Wertethik nicht auf eine subjektunabhängige Wertrangordnung, sondern auf den Gegensatz von Wert und ›für mich Wichtigem‹. Jeder Wert besitzt dabei seine ideal ihm gebührende Antwort (z. B. Bewunderung, Begeisterung, Liebe, Realisieren-Wollen etc.). Ein neues System phänomenologischer Wertethik entwarf H. Reiner, der das sittlich Gute auf ein Vorziehen »objektiv bedeutsamer« vor den nur »subjektiv bedeutsamen« Werten zu gründen suchte, der Wertrangordnung aber Bedeutung für das (vom Guten zu unterscheidende) »sittlich Richtige« beimaß. Die entscheidende Kritik an der materialen Wertethik erfolgt durch die sprachanalytisch reflektierten Theorien der Normbegründung, nach denen die Berufung auf Gefühle oder intuitive Erkenntnisse keine Begründung für verbindliche Forderungen oder für die Geltung objektiver Werte sein kann.

H. M. Baumgartner, Die Unbedingtheit des Sittlichen. Eine Auseinandersetzung mit N. Hartmann , München 1964

A. J. Buch, Wert – Wertbewusstsein – Wertgeltung. Grundlagen und Grundprobleme der Ethik N. Hartmanns , Bonn 1982

H. Drexler, Begegnungen mit der Wertethik , Göttingen 1978

W. Henckmann, Materiale Wertethik , in: A. Pieper (Hg.), Geschichte der neueren Ethik, Bd. 2, Tübingen / Basel 1992, S. 82–102

H. Schnädelbach, Werte , in: Philosophie in Deutschland. 1831–1933, Frankfurt/M. 1983, S. 198–231

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt