Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Thomas Zwenger

Welt

Griech. kosmos , lat. mundus , engl. world , fr. monde : In der Philosophie bezeichnet der Begriff seit alters in äußerster Verallgemeinerung die Gesamtheit dessen, was ›ist‹. Seit dem Denken der Antike gehört die Kluft zwischen dem Seienden (kosmos ) und dem Denken (logos ) zu den zentralen Fragestellungen der Philosophie. Hierüber herrscht laut Platon unter den Philosophen ein »Riesenkrieg« (Gigantomachie, Soph . 246 A). Denn da es neben Kosmos und Logos schlechterdings kein Drittes geben kann, so ist die Frage, ob das Verhältnis von Denken und Sein selbst ein gedachtes oder ein seiendes sei; was auf die Entscheidung hinausläuft, ob und inwiefern das Denken selbst als ein Seiendes, und das heißt als Weltteil gedacht werden kann.

Was zur Welt gehört, von dem muss gedacht werden, dass es auf irgendeine Weise unabhängig vom oder außerhalb des Denkens Bestand hat bzw. subsistiert. Zugehörigkeit zur Welt bedeutet also ein einziges Merkmal, nämlich das des Existierens oder ›Seiend-Seins‹. Dieses Merkmal des Welthaften drückt sich in der Ideengeschichte immer wieder in verschiedenen Substanzbegriffen aus, die allein dasjenige bezeichnen, das macht, dass von etwas überhaupt etwas gedacht oder ausgesagt werden kann. Es hat sich in der Geschichte der Philosophie immer wieder gezeigt, dass das Denken mit Notwendigkeit nach der Angabe eines Grundes für das Sein des Seienden verlangt: Die Existenz von Etwas ist dem menschlichen Denken nicht selbstverständlich. Etwas ›ist‹ nicht einfach so, sondern sofern es existiert, muss gedacht werden, dass es auf irgendeine Weise in die Existenz bzw. zur Welt gebracht worden ist. Ohne damit irgendetwas für ein bestimmtes religiöses Verständnis zu präjudizieren, wird der Begriff der Welt so notwendig an den der Schöpfung (creatio ) gebunden.

Da die Existenz das einzige Merkmal der Weltzugehörigkeit ist, kann gesagt werden, dass der Begriff der Welt völlig inhaltsleer ist. Als ›Totalitätsbegriff‹ bezeichnet Welt zudem keinen Gegenstand möglicher Erfahrungserkenntnis (Kant). Als ›Idee der Vernunft‹ hat der Begriff bloß ›regulative Funktion‹. Das heißt, er dient zur Definition unterschiedlicher Erkenntnisbereiche, nicht aber von deren Gegenständen. Solche Definitionen sind also nicht empirisch, sondern anders, z. B. historisch begründet. So kann man von der Welt der Tiere, der Welt des Geistes, der Arbeitswelt oder der Welt des Glaubens sprechen. Damit werden aber nicht einfach Teile eines einheitlichen Erkenntnisraumes ausgezeichnet, sondern Globalvorstellungen völlig heterogener Erkenntnisprinzipien benannt (z. B. Antike Welt, Lebenswelt, Unterwelt, Weltgeschichte).

Wegen seiner Inhaltsleere hat der philosophisch-metaphysische Welt-Begriff auch eine (modal-)logische Verwendungsweise hervorgebracht: Da für Leibniz die Welt nicht die Gesamtheit der existierenden Dinge, sondern der (realen) Begriffe ist, so findet sich entsprechend die Gesamtheit der möglichen Begriffe in (unendlich vielen) Begriffen möglicher Welten. In diesem Sinne wird der Begriff in der modernen Modallogik (z. B. bei Kripke) als Bedeutungsfeld des Möglichkeits- bzw. Notwendigkeitsoperators verstanden (Possible-Worlds-Semantics ). Sonach ist ein Satz ›möglich(erweise wahr)‹ bzw. ›notwendig(erweise wahr)‹, wenn er in mindestens einer bzw. in allen möglichen Welten wahr ist.

In einer engeren, aber dem Alltagsverständnis näheren Verwendungsweise dient Welt als Globalausdruck für den menschlichen Lebensraum auf dem Planeten Erde: weltberühmt, Welthandelskonferenz, Weltrekord, Weltliteratur. Hieran schließt sich auch der Welt-Begriff in den Naturwissenschaften an, wo er für das sichtbare bzw. wissenschaftlich erforschbare Universum steht.

S. Kripke, Naming and Necessity , in: D. Davidson / G. Harman (Hg.), Semantics of Natural Languages, Dordrecht 1972

J. Leslie, Universes , London 1989

K. Löwith, Der Welt-Begriff in der neuzeitlichen Philosophie , 2. Aufl. Stuttgart 1968

M. K. Munitz, Cosmic Understanding. Philosophy and Science of the Universe , Princeton 1986

G. Prauss, Die Welt und wir (Sprache – Subjekt – Zeit) , Stuttgart 1990

G. Scherer, W. – Natur oder Schöpfung? , Darmstadt 1990

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt