Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Wulff D. Rehfus

Vertragstheorie

Nach Kant ist der Vertrag ein »Akt der vereinigten Willkür zweier Personen, wodurch überhaupt das Sein des einen auf den anderen übergeht«. Damit charakterisiert Kant Privatverträge zweier Personen, wie sie schon von Platon beschrieben wurden und in Rom den lebensweltlichen Alltag bestimmten. Im 17. Jh. wurde der Privatvertrag dann zum Modell des Staatsgründungsaktes verallgemeinert, der den Naturzustand der Menschen beendet. Nach Hobbes gelten im Naturzustand zwei Naturrechte: Dass nämlich jeder das Recht auf alles hat und jeder befugt ist, sich durch jegliche Mittel selbst zu verteidigen. Der Naturzustand ist also der Rechtszustand des Kampfes aller gegen alle. Um nun diesen Zustand zu verhindern, bedarf es eines Staates, dessen Ziel die Friedenssicherung durch Gesetze ist, die das Naturrecht bändigen. Um nun aber einen solchen Staat zu gründen, müssen die Menschen ihre beiden Naturrechte aufgeben, was aber nur dann Sinn macht, wenn auch alle anderen ihre Naturrechte aufgeben, sodass an die Stelle des Naturrechtes menschliche Gesetze treten. Diese aber müssen gegebenenfalls auch durchgesetzt werden. Deshalb wird ein Vertrag geschlossen. »Die Eintracht unter den Tieren«, erklärt Hobbes, sei »ein Werk der Natur, unter den Menschen aber ist sie ein Werk der Kunst und eine Folge der Verträge. Was Wunder also, wenn bei diesen für die beständige Dauer der Eintracht außer den Verträgen noch etwas mehr erforderlich ist, nämlich eine allgemeine Macht, die jeder Einzelne fürchtet.« (Leviathan , Zweites Buch, Kap. 17). Deshalb muss jeder »alle seine Macht oder Kraft einem oder mehreren Menschen übertragen, wodurch der Willen aller gleichsam auf einen Punkt vereint wird, so daß dieser eine Mensch … eines jeden einzelnen Stellvertreter werde.« Der Vertrag soll dann so aussehen: »Ich übergebe mein Recht, mich selbst zu beherrschen, diesem Menschen oder dieser Gesellschaft unter der Bedingung, dass du ebenfalls dein Recht über dich ihm oder ihr abtrittst.« Dies ist der Vertrag, den die Menschen gegenseitig abschließen, die als Bürger in einem Staat zusammenleben wollen. Ausgenommen von diesem Vertrag allerdings ist der Herrscher. Er gibt zwar sein Recht auf, sein Privatinteresse durchzusetzen, nicht aber das Recht auf Gewaltanwendung. Denn er muss notfalls mit Gewalt dafür sorgen, dass der Vertrag zwischen den Bürgern eingehalten wird. Dabei ist er nicht seinen Bürgern verantwortlich, sondern einzig Gott. Allerdings endet die Verpflichtung der Bürger gegen den »Oberherrn«, wenn dieser die Bürger nicht mehr schützen kann (II, 21). Dieser Gedanke der Staatsgründung durch einen Vertragsschluss war äußerst eindrucksvoll, sodass er von anderen Denkern aufgegriffen wurde. Rousseau prägte dann den Begriff des Gesellschaftsvertrags (contrat social ). Aber während Hobbes davon ausgeht, dass der Mensch dem anderen im Naturzustand ein Wolf ist (homo homini lupus ), beklagt Rousseau den Zustand der Gesellschaft, in dem der Mensch, obwohl frei geboren, überall in Ketten liege. Der Gesellschaftsvertrag hat deshalb bei Rousseau die Aufgabe, die Menschen in einem Gesamtwillen zu vereinigen (volonté de tous volonté générale ).

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt