Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Wulff D. Rehfus

Vernunft

Griech. nous : Einsicht, das Vermögen der geistigen Wahrnehmung, aber auch das Vermögen des Wollens. Platon verwendet das Wort noesis (das Wahrnehmen, das Begreifen), um das Vermögen zu bezeichnen, kraft dessen der Mensch im dialektischen Verfahren zur Ideenschau aufsteigen kann. Die dianoia (das Denkvermögen) ist bei ihm das Vermögen, eine hypothesis (Annahme, Hypothese – entspricht ungefähr den Sätzen der Arithmetik und Geometrie) zu erfassen. Heraklit setzte ein Weltprinzip an, das er Logos nannte. In diesem Sinn hat dann Protagoras den nous als eine Art Weltprinzip gefasst, als Urgrund aller Bewegung, wie dies dann auch von Aristoteles behauptet wurde. In seiner Physik (5, 256 b, 24 f.) schreibt er: »Anaxagoras hat Recht, wenn er den Geist (nous ) als dasjenige bezeichnet, das nicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann und unvermischt ist, eben deshalb, weil er ihn als Prinzip (arche ) der Bewegung ansetzt. Denn nur unter dieser Voraussetzung kann er als Unbewegter bewegen und als Unvermischter herrschen.« In der römischen Stoa wird von Cicero und Seneca ratio verwendet, um die spezifisch menschliche Denkleistung zu benennen, wobei die Ratio stets als naturgegebene gedeutet wird, sodass Natur und Ratio sich nicht widersprechen. »Ist irgendetwas naturgemäß, was gegen die Vernunft (ratio ) geschieht?« fragt Cicero in seinen Gesprächen in Tusculum (4. Buch, 79 f.). Und Seneca bestätigt: »Die Natur nämlich muss man zum Führer nehmen: sie beachtet die Vernunft (ratio ), und diese fragt sie um Rat« (Über das glückliche Leben , VIII, 1). Im Mittelalter (A) werden dann ratio und intellectus im Sinne der Erkenntnisfähigkeit gebraucht. Erst mit Kant kommt es zu einer spezifisch deutschen Unterscheidung zwischen Vernunft und Verstand. Für Kant ist Vernunft einerseits das (theoretische) Vermögen der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien, und ihre Aufgabe ist es entsprechend, die vom Verstand konstituierte Wirklichkeit »unter die höchste Einheit des Denkens« zu bringen. Andererseits ist die Vernunft das (praktische) Vermögen der Ideen. In diesem Gebrauch ist die Vernunft regulativ, indem sie das Wollen und Handeln der Menschen bestimmt. Die Grundregel der praktischen Vernunft ist der kategorische Imperativ: Man soll stets so handeln, dass der eigene Handlungsgrundsatz (Maxime) jederzeit zu einem allgemeinen Gesetz werden könne und man darf den anderen niemals nur als Mittel, sondern muss ihn immer auch als Zweck in sich behandeln.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt