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Dr. Thomas Zwenger

Urteil

Lat. sententia, iudicium ; engl. sentence, judgement : In verschiedenen Epochen der Philosophie ist der Begriff synonym mit dem der Aussage (griech. apophasis , lat. ennuntiatio ) und des Satzes (griech. protasis , lat. propositio ) verwendet worden; so bei Aristoteles, bei Chr. Wolff und auch in der modernen sprachanalytischen Philosophie. Urteile sind nach dieser Tradition Behauptungssätze, d. h. sprachliche Gebilde, in denen zu Recht (wahr) oder zu Unrecht (falsch) das Bestehen (Affirmation, compositio ) oder Nichtbestehen (Negation, divisio ) eines Sachverhalts behauptet wird. In einem etwas spezielleren Sinn, der in der Spätantike (Boethius) und bis Leibniz gebräuchlich war, bezeichnete das Urteil den Schlusszusammenhang eines Syllogismus, der darin besteht, eine probable Behauptung (Konklusion) auf ihre demonstrativen Prämissen zurückzuführen. Das Schließen besteht danach genau darin, über die zu beweisende Behauptung ein Urteil zu fällen (Sentenz).

In der neuzeitlichen Metaphysik, vornehmlich durch Kant, ist einerseits das Vermögen zu urteilen wieder deutlich von dem Vermögen zu schließen unterschieden worden. Andererseits hat der Begriff des Urteils eine weitere, erheblich über die des wahrheitsdifferenten Aussagesatzes hinausgehende Bedeutung erlangt. Das Hinzukommende ist das Moment der Geltung. Nach Kants Definition ist das Urteil nicht ein sprachlicher Akt (Verknüpfung von Termen), sondern ein Erkenntnisakt (Verknüpfung von Vorstellungen). Im Urteil wird Erkenntnis realisiert, indem eine Anschauung (für Kant eine einzelne Vorstellung, die »auf den Gegenstand unmittelbar bezogen wird«) unter einen Begriff (»allgemeine Vorstellung, die für viele gilt«) subsumiert wird. Das Urteil ist deshalb bloß die »mittelbare Erkenntnis eines Gegenstands, mithin die Vorstellung einer Vorstellung desselben« (KrV B 93). Die Verknüpfung von Vorstellungen bedarf eines Einheitsmoments, der Einheit eines Bewusstseins. Urteile sind also nicht allein wahr oder falsch, sondern aufgrund ihrer Bezogenheit auf die synthetische Einheit eines Bewusstseins gelten sie entweder als objektiv oder bloß subjektiv (a priori oder a posteriori ).

Dass in all diesen Bedeutungen von Urteil auch der juristische Wortsinn mitschwingt, ist kein Zufall. Insbesondere der Beweis- oder Geltungsaspekt ist darin ausgedrückt. Ein Urteil (engl. sentence ) ist die Antwort eines Gerichts auf eine Streitfrage, die aufgrund z. B. einer Klage von dem Gericht prozessual untersucht worden ist. Es ist die Entscheidung des Gerichts als Beweiswürdigung. Es ist nicht wahr oder falsch, sondern gilt oder gilt nicht.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt