Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Thomas Zwenger

Tugend

Griech. arete , lat. virtus : Tugend ist die Einheit von Wissen um das sittlich Gute und der Bereitschaft und Tatkraft, dieses zu verwirklichen. Insofern ist Tugend die Lebensform der Sittlichkeit. Platon entwickelte vier Kardinaltugenden, nämlich Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, und das Christentum fügte drei weitere hinzu: Glaube, Liebe, Hoffnung. Aristoteles hat in seiner Nikomachischen Ethik versucht, das höchste Gut zu bestimmen. Zunächst stellt er fest, dass alle Menschen nach Glück (eudaimonia ) streben, dass aber jeder etwas anderes darunter versteht. Um nun das dem Menschen höchst mögliche Glück zu bestimmen, muss er auf die menschliche Gattungsbestimmung zurückgreifen, die ihn vom Tier unterscheidet. Dieses ist die Vernunft. Folglich muss das höchste Gut, das dem Menschen gattungsmäßig möglich ist, in der Vernunft liegen. Damit scheiden die Glücksvorstellungen der hedone (körperliche Lust) ebenso aus wie das Glück der Tätigkeit (bios praktikos ), und übrig bleibt nur das Glück der Vernunftbetätigung, der bios theoretikos (vita contemplativa , das theoretische Leben). Die interesselose Erkenntnis (contemplatio ) ist das höchste Glück, das dem Menschen gattungsmäßig möglich ist. Die Frage ist nun, wie der Mensch dieses Glück erreichen kann. Dazu entwickelt Aristoteles eine Tugendlehre. Nach Aristoteles kann Tugend auf zwei Arten erworben werden. Im Buch II der Nikomachischen Ethik unterscheidet er zwischen der ethischen und der dianoëtischen Tugend (arete ). Die dianoëtische Tugend wird dadurch erworben, dass sie gelehrt wird, während man die ethische Tugend durch Gewöhnung erwirbt. Tugend also ist nicht angeboren, sondern muss in einem theoretischen und praktischen Lernprozess erworben werden. Wie immer die Tugend aber auch erlernt wird, entscheidend ist, dass das Zentrum der interesselosen Erkenntnis das Wissen um das richtige Maß und die richtige Mitte ist. Für Kant ist das Zentrum der Tugend die Sittlichkeit und bedeutet »Stärke in der Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung in Ansehung der moralischen Gesinnung.« Und diese Gesinnung ist die Achtung vor der Pflicht um dieser selbst willen. In der Neuzeit (A) trat der Begriff der Tugend sowohl in der Philosophie als auch in der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit immer mehr in den Hintergrund. So wurden aus den Kardinaltugenden und einem Tugendbegriff, der an das höchste Gut gebunden war, mehr praktische Tugenden in der bürgerlichen Gesellschaft wie Ordnung, Sparsamkeit und Fleiß. Da diese Tugenden mehr funktionaler Art und abgekoppelt sind von obersten Werten und deshalb den unterschiedlichsten Zielsetzungen unterworfen werden können, wurden sie als ›Sekundärtugenden‹ bezeichnet, denen ein eigenständiger Wert abgesprochen wurde.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt