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Marcus Rossberg

Tropus

Von griech. tropos , ›Richtung, Wendung; Art und Weise‹: Man muss verschiedene Verwendungen des Begriffs unterscheiden:

1. Skeptische Tropen sind von der antiken Skepsis vorgebrachte Argumentationen, die zur Enthaltung eines (positiven) Urteils führen sollen. Die ursprünglich zehn Tropen berufen sich auf die verschiedenen Arten der Unsicherheit der Erkenntnis, und zwar: die Verschiedenheit der Wahrnehmung der einzelnen Arten von Lebewesen; die Verschiedenheit der Menschen; die Verschiedenheit der Sinnesorgane; die Auswirkung von z. B. Krankheit, Freude, Trunkenheit oder Wahnsinn auf die Erkenntnisfähigkeit; die kulturellen Bedingungen (Sitten, religiöser Glaube etc.); die Beobachtungssituation sowie die Wechselwirkung der einzelnen beobachteten Gegenstände und die Unmöglichkeit, einen Gegenstand an sich zu betrachten; die Verzerrung der Wahrnehmung durch unterschiedliche Größenverhältnisse, den Standpunkt des Beobachters etc.; die Umstände der Beobachtung, z. B. die Lichtverhältnisse, den Aggregatzustand des beobachteten Objekts, ob es bewegt ist oder ruht etc.; die unterschiedliche Wahrnehmung eines gewohnten und eines ungewohnten Gegenstandes und schließlich die Notwendigkeit des Vergleichs mit anderen Gegenständen, also die Relativierung der Wahrnehmung. Die jüngere skeptische Schule der Antike hat die Zahl der Tropen auf fünf reduziert, die vor allem die Kritik an der Dogmatik stärker ins Zentrum rücken.

2. Der von Donald Williams eingeführte engl. Begriff trope bezeichnet die Instanz einer Eigenschaft oder Relation. Gebräuchlich sind auch die Begriffe ›konkrete Eigenschaft‹, ›Moment‹ oder quality bit . Tropes sind nicht besondere Arten der Eigenschaft eines Gegenstands (wie das besondere Rot eines bestimmten Chiantis) oder die Teilhabe an der universalen Eigenschaft (der Röte), sondern nur genau eine bestimmte Eigenschaft, die ein bestimmter Gegenstand und kein anderer hat (genau das bestimmte Rot dieses bestimmten Chiantis, das auch von dem einer anderen Flasche des gleichen Jahrgangs verschieden ist). Das Ziel einer Ontologie der Tropen ist, auf abstrakte Entitäten wie Universalien verzichten zu können (Nominalismus).

3. In der Rhetorik nach Quintilian sind Tropen das Stilmittel der so genannten uneigentlichen Rede. Ein Tropus ist ein Wort, das nicht in seiner eigentlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung verwendet wird, z. B. ›Weichei‹ für ›Schwächling‹. Als die vier wichtigsten Tropen werden Metapher (Tropus und das Wort, für das er steht, teilen eine Eigenschaft: ›Tiger‹ für ›Draufgänger‹), Metonymie (die zwei Wörter hängen zeitlich, räumlich, kausal etc. zusammen: ›Zunge‹ für ›Sprache‹), Synekdoche (ein spezielles Wort wird statt des allgemeinen benutzt oder umgekehrt: ›Katze‹ für ›Löwe‹ – die häufigste Form ist das pars pro toto : ›Dach‹ für ›Haus‹) und Ironie (das Gegenteil des Gemeinten) angesehen.

J. Annas, J. Barnes, The Modes of Scepticism. Ancient Texts and Modern Interpretations , Cambridge 1985

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen , Hg. und übersetzt von K. Reich, 2. Aufl. Hamburg 1967

R. J. Hankinson, The Sceptics , London 1995

Sextus Empiricus, Grundriss der pyrrhonischen Skepsis , Eingeleitet und übersetzt von M. Hossenfelder, Frankfurt/M. 1985

K. Campbell, Abstract Particulars , Oxford 1990

D. W. Mertz, Moderate Realism and its Logic , New Haven 1996

D. C. Williams, Principles of Empirical Realism , Springfield 1966

P. Gross, Die Tropen und Figuren , Köln 1880

H. Lausberg, Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft , 3. Aufl. Stuttgart 1990, §§ 552–598

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt