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Dr. Eva-Maria Sewing

Streben

Im Wortsinn meint Streben eine selbsttätige, eigeninitiative Bewegung auf ein Ziel hin. In Einheit mit der Zielausrichtung ist das Streben ein Grundmoment der Teleologie. Diese Lehre geht auf Aristoteles zurück, der das jedem lebendigen Vorgang innewohnende Telos zugleich als Ursache und bewegende Kraft für dessen Verwirklichung oder Ausführung ansieht, gleichsam als immanentes Form- und Entwicklungsprinzip im Sinne einer Entelechie. Die Gedanken des Aristoteles wurden durch Thomas von Aquin im Mittelalter (A) wieder aufgenommen und zur Grundlage eines teleologischen Schöpfungsverständnisses. Die antiteleologischen Tendenzen des Mechanismus überwindend, entwickelt zur Zeit der Aufklärung (A Neuzeit – Aufklärung) Leibniz in seiner Monadologie die Theorie der Entelechie weiter, indem er im Gedanken der Ursächlichkeit des Ziels mechanistische und teleologische Ansätze zur Synthese bringt. Der Gedanke wird von Goethe aufgenommen. Mit der Wendung ›faustisches Streben‹ verbindet man allgemein das sich unendlich erneuernde menschliche Bemühen um Ganzheit, die Polarität von Ich und Welt aufzuheben und zur Einheit zu verbinden. Dem Streben sind die Momente der Spontaneität, Aktivität (energeia ) und Finalität immanent. Als Aktivitätsbegriff scheint es insbesondere biologische und organische Prozesse zu erfassen. Es muss jedoch unterschieden werden zwischen dem bewussten Zielstreben des Menschen und der unbewussten Zielrichtung naturhafter Bewegungsabläufe. Naturhaften Bewegungsabläufen, Instinkthandlungen und organischen Prozessen als finalen Aktivitäten fehlen die dem Streben wesentlichen rein menschlichen Merkmale der Reflexion und der Reflexivität. Mit dieser Begründung weist Kant ein teleologisches Verständnis reiner Naturprozesse zurück und leitet den Gedanken der Zweckhaftigkeit und Zweckmäßigkeit als regulatives Prinzip aus der Urteilskraft, dem reflektierenden Vermögen des Menschen, ab. So kann man sagen, dass der vom Subjekt gesetzte Zweck eines Gegenstands den Grund von dessen Wirklichkeit angibt. Das Streben als Bewegung auf Zwecksetzungen hin wird so u. a. zum konstitutiven Moment moralischer Vorgänge. Im ästhetischen Urteil sind Zweckmäßigkeit und Schönheit eines Gegenstands für Kant identisch, unter der Voraussetzung, dass die Schönheit interesselos ohne Zweck wahrgenommen wird. Ideen von höchster moralischer Zweckmäßigkeit gelten als erhaben. Das Streben erweist sich so als ein anthropologischer Begriff, der die Sonderstellung des Menschen in der Natur aufzeigt, aber auch sein Verwobensein mit ihr in ihrer Struktur der Bewegung als energeia . Neuvitalistische Theorien gehen dagegen von ganzheitlich-teleologischen Strukturen auch im Bereich der Natur aus (Driesch, Reinke, Becker). Für Höffe ist im Begriff des Strebens – auf Grund seines Reflexionsgehalts und seiner Eigenschaft als spontane, selbstbestimmte Aktivität – eine Grundbedingung für verantwortliches Handeln genannt. Streben sei so eine Grundkategorie einer Theorie humaner Lebensweise.

H. Driesch, Philosophie des Organischen I–II , Leipzig 1928

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt