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Dr. Roland W. Henke

Seele

Im alltäglichen Sprachgebrauch der Inbegriff aller inneren, nicht körperlichen Regungen, wobei zwischen bewussten und unbewussten Momenten unterschieden wird. Wortentsprechungen zum deutschen Begriff Seele, etwa im Griechischen (psyche , pneuma ), Lateinischen (anima, spiritus ) oder Indischen (atman ), verweisen auf die ursprüngliche Bedeutung als Wind, Hauch oder Atem, also auf einen körperlosen Stoff, der dafür verantwortlich ist, dass etwas lebendig ist.

Im klassischen griechischen Denken ist die Seele die Form (eidos ) bzw. das innere immaterielle Bewegungsprinzip eines Körpers, das sich in verschiedenen Abstufungen in jedem Lebewesen findet. Dabei kommt allein der menschlichen Seele über die vegetative und animalische Stufe hinaus die Vernunft zu. Platon, der von einer Wanderung der Seelen durch verschiedene Körper und Existenzformen ausgeht, schreibt der individuellen Seele in allen ihren Teilen Unsterblichkeit zu. Er hält sie für ablösbar vom Körper, den er als ›Gefängnis der Seele‹ betrachtet. Nach dem Tod erwarte die menschlichen Seelen ein göttliches Gericht. Aristoteles vollzieht die platonische Aufteilung der Seele insgesamt nach, sieht aber nur den vernünftigen Seelenteil, der allein dem Menschen als göttliches Prinzip eignet, als unsterblich an.

Für die Neuzeit (A) schreibt Descartes das Paradigma einer Trennung von Leib und Seele erneut fest: Er geht von zwei prinzipiell verschiedenartigen Substanzen aus, einer materiell-körperlichen, die teilbar, und einer immateriell geistigen, die unteilbar und nur in unmittelbarer Selbsterfahrung fassbar sei. Letztgenannte ist für ihn die Seele, deren Haupttätigkeit das Denken oder das Bewusstsein darstelle. Gott habe beide Substanzen im menschlichen Körper zu einer (nach dem Tode auflösbaren) kompositorischen Einheit zusammengefügt. Tiere hingegen bestehen allein aus der materiellen Substanz, die zu unwillkürlichen Bewegungen in der Lage sei. Im Gegensatz zum Menschen seien sie also unbeseelte Maschinen. Insoweit ist Descartes im Verbund mit Platon entscheidend für den bis heute verbreiteten christlichen Volksglauben verantwortlich, nach der nur Menschen eine unsterbliche Seele zukomme, die nach dem Tod den Körper verlasse.

Die dualistische Zwei-Substanzen-Lehre Descartes’ wirkt bis in die moderne Schulmedizin mit ihrer strengen Trennung von geistig-seelischen und körperlichen Prozessen nach. Gegen sie formiert sich aber schon bald im Zuge der Diskussion des Leib-Seele-Problems die monistische Auffassung einer prinzipiellen Einheit von Körper und Seele. Sie scheint durch die Ergebnisse der modernen empirischen Hirnforschung bestätigt, wonach mentale Prozesse mit bestimmten Hirnzuständen aufs Engste zusammenhängen. Darüber hinaus weisen psychoanalytische Ansätze darauf hin, dass der »seelische Apparat« (Freud) keineswegs ausschließlich durch das Bewusstsein bestimmt ist. Ob aber die seelischen Phänomene die leiblichen bedingen oder umgekehrt Seelenprozesse bloße Funktionen körperlicher Zustände, vornehmlich des Gehirns, darstellen, bleibt der bislang ungelöste Streitpunkt zwischen idealistischen und materialistischen Theorien. Auch die moderne Sprachphilosophie, die im Gefolge des späten Wittgenstein durch Auflösung essenzieller Bedeutungen philosophischer Begriffe die Leib-Seele-Beziehung als Scheinproblem zu entlarven sucht, bietet hier wohl keinen überzeugenden Ausweg.

G. Jüttemann, M. Sonntag, Ch. Wulf (Hg.) Die Seele , Köln 2000

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt