Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Roland W. Henke

Schicksal

Griech. ananke, moira ; lat. fatum : meint die Vorstellung, dass der Lebenslauf von für den Menschen letzthin nicht durchschaubaren und nicht verfügbaren übernatürlichen Mächten gelenkt, also ›zugeschickt‹ wird, somit zumindest in seinen Grundzügen vorherbestimmt ist. Mit der Undurchschaubarkeit und Unverfügbarkeit hängt zusammen, dass das Schicksal im Ganzen eher als bedrohlich und feindlich denn als fürsorgend oder glücksbringend erlebt wird. Ein extremer Schicksalsglaube kann auch zum Fatalismus, einer extremen Form des Geborgenheitsgefühls, führen, die handlungsunfähig machen kann.

Der Schicksalsbegriff wird im heutigen Sprachgebrauch im Allgemeinen nur im Zusammenhang mit dem Menschen verwendet, Dinge und Tiere gelten als schicksalslos. In dieser Hinsicht kann er sich sowohl auf die gesamte Menschheitsgeschichte als auch auf das persönliche Leben eines Einzelnen beziehen. In der antiken Philosophie wird der Schicksalsbegriff noch universal verwendet: Er bezeichnet sowohl eine notwendige, das Naturgeschehen bewegende Kraft (Demokrit) als auch die Macht, durch die der Weltlauf (Heraklit) oder das individuelle Leben (Platon) bestimmt wird. Sogar die griechischen Götter galten als dem Schicksal unterworfen. Das Christentum lehnt den Schicksalsbegriff ab und ersetzt ihn durch die göttliche Vorsehung, die Raum für menschliche Freiheit lässt. Dies gilt nicht für die auf Augustinus zurückgehende Prädestinationslehre, nach welcher das menschliche Leben schon vor der Geburt durch Gottes Willen vorherbestimmt ist. Dem entspricht auch die islamische Vorstellung vom Schicksal als ›Kismet‹.

In der Neuzeit (A) wird die Vorstellung eines schicksalhaft in der Natur wirkenden göttlichen Willens endgültig aufgegeben. Natur erscheint nun als ein notwendiger, aber verstehbarer Gesetzeszusammenhang. Die moderne Existenzphilosophie gibt schließlich auch die Vorstellung einer (göttlichen) Vorsehung im menschlichen Leben gänzlich preis und rückt allein die individuelle Freiheit ins Zentrum. Systemtheoretische Ansätze betonen zwar die Macht des Überindividuellen, fassen dies aber rein funktional. Dieser fortschreitenden Entmachtung des Schicksalsbegriffs in der abendländischen Philosophie der Neuzeit steht ein untergründiges Wissen um die Gegenwart des Schicksals im heutigen Alltagsbewusstsein gegenüber. Sie zeigt sich u. a. in vielfachen Versuchen innerhalb der Esoterik, ›dem Schicksal in die Karten zu sehen‹ (Astrologie, Tarot usw.).

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt