Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Wulff D. Rehfus

Res cogitans

Lat. ›die denkende Sache, die denkende Substanz‹. Descartes setzte sich die Aufgabe, der Neuzeit (A) ein neues, unbezweifelbares Fundament in den Wissenschaften zu geben. Dazu suchte er einen ›archimedischen Punkt‹, von dem aus er die Wissenschaften aufbauen könne. Um diesen Punkt (das fundamentum inconcussum ) zu finden, wollte er alle vorhandenen Wahrheitsbehauptungen auf ihre Tragfähigkeit prüfen. Da dies ein viel zu aufwendiges Unternehmen gewesen wäre, beschloss er, nur die Quellen aller Wahrheitsbehauptungen zu überprüfen, nämlich die Überlieferung, die Erfahrung und die Rationalität, die Vernunft. Im Zweifel an der Gültigkeit der Tradition stellte er fest, dass deren Geltungsansprüche nicht haltbar sind. Dies gilt auch für den Zweifel an der Empirie, denn die Sinnesdaten sind keine zuverlässige Wahrheitsquelle. Und selbst die Rationalität hält dem Zweifel nicht stand. Denn im ›metaphysischen Zweifel‹ zeigt sich, dass es ja möglich sein kann, dass der Denkende in seinem Denken von Gott getäuscht wird. Dazu musste Descartes hypothetisch einen genius malignus annehmen, also einen betrügerischen Gott. Damit war die Unhaltbarkeit aller inhaltlicher Wahrheitsbehauptungen nachgewiesen. Indessen zeigt sich, dass auch dann, wenn der Inhalt von Denkakten trügerisch ist, etwas gewiss ist, nämlich der Denkakt selbst. Damit hatte Descartes sein fundamentum inconcussum gefunden: nämlich die Gewissheit des Denkvollzugs selbst: cogitans sum , solange gedacht wird, ist sicher, dass gedacht wird. Unterstellt man nun, dass jeder Denkakt sozusagen einen Träger, ein Subjekt des Denkens haben muss, eine Substanz, dann kann Descartes zu Recht folgern: cogito, ergo sum – »Ich denke, also bin ich.« Das denkende Ich (die res cogitans ) wird deshalb für Descartes das Fundament der Wissenschaft, allerdings um den Preis, dass das neue Fundament keine inhaltliche Wahrheit mehr ist, sondern nur noch eine Vollzugsgewissheit des Denkenden. Offen bleibt an dieser Stelle der Beweis der Außenwelt; die res extensa , die ›ausgedehnte Substanz‹, ist noch nicht bewiesen. Denn es ist nicht auszuschließen, dass alle Bewusstseinsinhalte (cogitationes ) reine Einbildungen des Bewusstseins sind, die keinerlei Entsprechung in der Realität haben, also möglicherweise außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein gar nicht existieren (Solipsismus). Die res cogitans wurde gleichwohl zum Ausgangspunkt der gesamten neuzeitlichen Philosophie, die sich über Kant und Fichte zur Bewusstseinsphilosophie entwickelte, die bis heute das Paradigma der meisten philosophischen Positionen ist (allerdings angegriffen z. B. von der Sprachphilosophie).

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt