Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Wulff D. Rehfus

Raum

Ausdrücklich wird die Frage nach dem Raum erst von Aristoteles thematisiert. Eine seiner Kategorien ist das Wo (pou ), also der Raum, der Ort. Ausführlich erörtert er den Raum auch in der Physik, der Kosmologie und der Metaphysik. Im Mittelalter (A) wird das Raumproblem nur indirekt im Rahmen des Gegensatzes von Endlichkeit und Unendlichkeit thematisiert. Für Newton werden Raum und Zeit zu den beiden absoluten Konstanten, innerhalb derer sich die Massen aufgrund von Kräften bewegen. Eine Wende in der Auffassung des Raumes stellt Kants Kapitel Die transzendentale Ästhetik in der Kritik der reinen Vernunft dar. Raum und Zeit sind für Kant keine objektiven Größen mehr, sondern Vorstellungsformen der menschlichen Erfahrung bzw. des Bewusstseins. Der Raum ist also nicht, wie bei Newton, ein empirischer Begriff, er ist »keine Eigenschaft irgend einiger Dinge an sich oder in ihrem Verhältnis aufeinander«. Vielmehr ist der Raum eine »notwendige Vorstellung a priori , die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt«. Es ist also nicht so, dass die Raumvorstellung beim Menschen dadurch gebildet wird, dass er Erfahrungen macht, vielmehr gilt umgekehrt, damit der Mensch überhaupt Erfahrungen machen kann, muss vorausgesetzt sein, dass er Raum und Zeit als Vorstellungsformen schon ›besitzt‹, nämlich als eine Art Strukturmoment des Bewusstseins. Raum und Zeit sind apriorische, angeborene Bedingungen der Möglichkeit, dass der Mensch überhaupt Erfahrungen machen kann. Vorstellungsform besagt dabei, dass Raum und Zeit nicht sozusagen inhaltlich vorgestellt werden, vielmehr kann der Mensch, wenn er sich bestimmte Dinge vorstellt oder sie wahrnimmt, diese nur innerhalb von Raum und Zeit vorstellen, ohne dass Raum und Zeit irgendwelche ›Dinge‹ wären. »Der Raum ist nichts anderes, als nur die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne, d. h. die subjektive Bedingung der Sinnlichkeit, unter der allein uns äußere Anschauung möglich ist.« Einstein hat dann diese kantische Position als unsinnig zurückgewiesen. In seiner Schrift Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie schreibt er: »Kants Versuch, das Unbehagen (nämlich den Raum als ein Ding zu betrachten, unabhängig von körperlichen Objekten, das ohne Materie existieren könnte) durch Leugnung der Objektivität des Raumes abzuschaffen, kann doch kaum ernst genommen werden. Die Lagerungsmöglichkeiten, verkörpert durch den Innenraum einer Schachtel, sind in demselben Sinne objektiv wie die Schachtel selbst und die in demselben lagerbaren Objekte.« Einstein selbst löste dann aber den klassischen Raum- und Zeit-Begriff eines Newton dennoch auf. Die physikalischen Konstanten sind in seiner einheitlichen Feldtheorie nicht mehr Raum und Zeit, sondern die Lichtgeschwindigkeit, und Raum und Zeit verschmelzen zum Raum-Zeit-Kontinuum.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt