Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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PD Dr. Petra Kolmer

Qualität

Von lat. qualitas , ›Beschaffenheit‹: Fragt man nach der Qualität von etwas, dann nach Merkmalen, die etwas im Vergleich mit anderen (vergleichbaren) Gegenständen oder mit sich selbst (wie es zu früheren Zeitpunkten war) und im Unterschied dazu hat (oder hatte). Eine Antwort auf diese Frage verlangt daher wesentlich den Vergleich, in dem sich die Dinge (wenn es um ihre Qualität geht) als einander ähnlich oder nicht ähnlich darstellen. Die Frage, wie beschaffen etwas ist, darf nicht verwechselt werden mit der Frage, was etwas ist. Letztere betrifft Merkmale, die einem Gegenstand für sich genommen (seiner Gattung und Art oder seinem Wesen nach) zukommen, und ist der Qualitätsfrage vorgeordnet. So ist es z. B. nach Platon nötig, zuerst anzugeben, was etwas ist (z. B. was Tugend ist), wenn man wissen will, wie beschaffen es ist (z. B. ob die Tugend lehrbar ist). – Seit Aristoteles ist Qualität ein Fachbegriff der Philosophie und vor allem in zwei philosophischen Zusammenhängen ein Thema: Erstens im Kontext einer philosophischen Reflexion auf unsere Gegenstandserkenntnis (Metaphysik). Hier wird der Ausdruck in zweierlei Bedeutung gebraucht. Zum einen als Kategorie: So verwendet, bezeichnet Qualität eine allgemeine Hinsicht auf die Dinge in der Welt, dergemäß sie (sei es an sich oder, so Kant, nur für uns) stets eine bestimmte Beschaffenheit haben und einander ähnlich oder unähnlich sind. Zum anderen werden aber auch diejenigen Merkmale Qualitäten genannt, die die Dinge als so-und-so-beschaffene haben, wobei man traditionellerweise zwischen primären (nicht sinnlich erfassbaren) und sekundären (sinnlich erfassbaren) Qualitäten unterscheidet: Bei Aristoteles und in der aristotelischen Philosophietradition heißen diejenigen Eigenschaften ›primäre Qualitäten‹, die verschiedenen Gegenständen, die zu derselben Klasse (Gattung) gehören (wie z. B. ›Mensch‹ und ›Pferd‹ zu der Klasse ›Lebewesen‹), wesentlich und notwendig zukommen (wie z. B. die Zweifüßigkeit dem Menschen, die Vierfüßigkeit dem Pferd) und dabei zugleich einen Wesensunterschied zwischen den Gegenständen begründen, durch den verschiedene Unterklassen (Arten) gebildet werden (z. B. die der zweifüßigen und die der vierfüßigen Lebewesen). Demgegenüber gelten Merkmale als sekundäre Qualitäten, die Dinge oder Personen auf zufällige, wechselnde und sinnlich erfassbare Weise haben, wie z. B.: äußere Gestalt, Charakter oder (in Bezug auf die Dinge der Natur) Farbe, Geschmack, Geruch, Temperatur. In der neuzeitlichen Naturwissenschaft bzw. Naturphilosophie sind primäre Qualitäten die (nicht wahrnehmbaren) quantitativen Verhältnisse (Quantität), auf die sich die sinnlich erfassbaren sekundären Qualitäten der Naturdinge zurückführen lassen (wie z. B. die verschiedenen Farben auf elektromagnetische Schwingungen). Der Qualitätsbegriff und die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Qualitäten sind Thema auch noch der gegenwärtigen philosophischen Diskussion, die dabei z. T. kritisch auf älteres Gedankengut (z. B. Locke) zurückgreift. – Zweitens hat Qualität traditionell einen Ort in der Logik: Man spricht hier von der Qualität eines Begriffs, die in seinem Inhalt besteht, sowie von der Qualität eines Urteils, die in dem Verhältnis besteht, das der Prädikatbegriff, seinem Inhalt nach, zum Subjektausdruck, ebenfalls dem Inhalt nach, einnimmt. Unter diesem Aspekt betrachtet sind alle Urteile entweder bejahende (affirmative) oder verneinende (negative), je nachdem ob das Prädikat in Bezug auf das Satzsubjekt bejaht (z. B. ›die Seele ist sterblich‹) oder verneint wird (z. B. ›die Seele ist nicht sterblich‹). Kant nennt darüber hinaus noch den unendlichen (infiniten oder limitativen) Urteilstyp, in dem ein verneintes Prädikat so bejaht wird, dass der durch das Satzsubjekt bezeichnete Gegenstand einer unendlichen Menge nicht näher bestimmter Gegenstände zugeordnet wird (z. B. ›die Seele ist nichtsterblich‹, d. h. gehört in die unbestimmte Klasse unsterblicher Wesen). In der modernen Logik, in der die Quantität von Aussagen eine große Bedeutung hat, ist Qualität als Einteilungsgrund von Aussagen indes weitgehend bedeutungslos geworden.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt