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Holm Bräuer

Prinzip

Von lat. principium , ›Anfang, Ursprung, Grundlage‹, arche : In der Logik, der Wissenschaft und der Philosophie stehen Prinzipien am Beginn theoretischer Systementwürfe oder praktischer Handlungsorientierungen und geben einen Begründungszusammenhang an, der die inhaltliche und methodische Grundlage für die jeweiligen Disziplinen abgibt. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass jede wissenschaftliche Disziplin, jeder philosophische Standpunkt und jedes System der Logik und Mathematik seine eigenen Prinzipien hervorgebracht hat, auf denen der weitere wissenschaftliche Fortschritt oder auf denen jede weitere philosophische Argumentation beruht. Im Folgenden sollen nur die drei wichtigsten Prinzipien der klassischen Logik und Wissenschaftstheorie behandelt werden: der Satz vom Widerspruch (principium contradictionis ), der Satz vom ausgeschlossenen Dritten (principium exclusi tertii ) und der Satz vom zureichenden Grund (principium rationis sufficientis ).

Der Satz vom Widerspruch besagt, dass ein sinnvoller Satz unter denselben kontextuellen und situationellen Bedingungen nicht zugleich wahr und falsch sein kann. Durch dieses Prinzip werden zwei Voraussetzungen der Möglichkeit von Wissenschaft und sinnvollem Denken benannt: Es konstituiert die Einstimmigkeit aller wissenschaftlichen Äußerungen, weil nur, wenn ein Satz nicht zugleich wahr und falsch sein kann, überhaupt Schlussfolgerungen aus ihm gezogen und Verbindungen zu anderen Sätzen angegeben werden können; es macht Wissen überprüfbar bzw. widerlegbar, da das Prinzip vom Widerspruch Eindeutigkeit verlangt.

Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten besagt, dass eine Aussage entweder wahr oder falsch und nichts anderes zwischen diesen beiden Möglichkeiten sein kann. Dieses Prinzip legt die Logik auf die Zweiwertigkeit fest. Während es heute auch Systeme von drei- oder mehrwertigen Logiken gibt, ist die klassische syllogistische Logik nur unter der Voraussetzung der Zweiwertigkeit möglich. Eine Konsequenz des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten, dass auch alle Aussagen, die Zukünftiges betreffen, jetzt schon entweder wahr oder falsch sein müssen, ist viel diskutiert worden. Diese Konsequenz ist nicht intuitiv, da sie zu der Ansicht führt, dass das, was unsere Prognosen voraussagen, schon prädeterminiert ist. Aristoteles hat daher, entgegen den Stoikern, futuristische Aussagen als noch unbestimmt erklärt. Dummett zählt die strikte Anwendung des Prinzips des ausgeschlossenen Dritten zu einem der wichtigsten Merkmale des modernen semantischen Realismus.

Der Satz vom zureichenden Grund (Kausalität) wurde zuerst von Leibniz präzise definiert. Er sieht in ihm ein grundlegendes Prinzip der Philosophie, welches besagt, »dass keine Tatsache wahr oder existierend ist und keine Aussage als wahr erwiesen werden kann, ohne dass ein zureichender Grund vorliegt, warum es so und nicht anders ist.« Es leuchtet jedoch ein, dass dieses Prinzip ohne die nähere Angabe dessen, was genau als ein zureichender Grund bezeichnet werden kann, für spezielle Anwendungen unzureichend und zu allgemein ist. Leibniz gibt daher weitere Präzisierungen dieses Prinzips für die Logik und die Ontologie an. Im logischen Sinne besteht ein zureichender Grund für die Wahrheit von Urteilen, die aus einer Verbindung zwischen Subjekt und Prädikat bestehen, dann, wenn der Begriff des Prädikats im Begriff des Subjekts enthalten oder mit diesem identisch ist. Solche Urteile werden auch analytische Urteile genannt, im Unterschied zu synthetischen Urteilen, deren Wahrheit sich auf ein tatsächliches Geschehen richtet. Als ontologisches Kriterium für einen zureichenden Grund muss Leibniz daher etwas definieren, das sich im Geschehen selbst findet. Dies sind für ihn Gott und die von ihm geschaffenen individuellen Substanzen oder Monaden. Das, was einer Monade geschieht, hat keine äußerliche Ursache, sondern begründet sich aus der prästabilierten Harmonie, die in ihr vorgeprägt ist und aus ihrem Begriff folgt.

In der weiteren Philosophiegeschichte steht der Satz vom zureichenden Grund in einer engen Verbindung zur Diskussion um die verschiedenen Arten von Ursachen, denn wenn es unterschiedliche Arten von Ursachen gibt, muss es auch unterschiedliche Bestimmungen dessen geben, was als ein zureichender Grund angesehen werden kann. Als die wichtigsten voneinander verschiedenen Abhängigkeits-Relationen haben sich jedoch nur die logische Grund-Folge-Beziehung und die kausale Ursache-Wirkungs-Relation herausgestellt. Entgegen den mannigfaltigen Versuchen einer Letztbegründung (Münchhausen-Trilemma) von theoretischen und praktischen Prinzipien steht die moderne Wissenschaftstheorie auf dem Standpunkt, dass es keine letzte, wirklich zureichende Begründung jeglicher Erkenntnis gibt. Die Annahme der einen oder anderen Wahrheit richtet sich vielmehr nach zwei Gesichtspunkten: der praktischen Bewährung und der theoretischen Eleganz.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt