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Holm Bräuer

Pragmatik

Bildet gemeinsam mit Syntax und Semantik einen Teilbereich der Sprachphilosophie. Diese Einteilung ist insbesondere im Neupositivismus durch Morris und Carnap entwickelt worden. Die Syntax befasst sich mit den Regeln des formal korrekten Aufbaus sinnvoller Ausdrücke, die Semantik mit der Bedeutung von Ausdrücken und die Pragmatik mit den Bereich der Verwendungssituation sprachlicher Ausdrücke, die einen Einfluss auf die sprachlichen Bedeutungen haben. In diesem Verständnis baut die Pragmatik auf der Syntax und Semantik einer Sprache auf und bezieht sich auf deren Handlungsaspekt.

Im Gegensatz dazu vertreten der Pragmatismus, bestimmte Bereiche der Semiotik und die Ordinary Language Philosophy die Auffassung, dass die Sprache in erster Linie als ein Handlungszusammenhang zu verstehen ist. Die Pragmatik steht dabei an erster Stelle der Sprachanalyse, erst danach kann es eine gehaltvolle Untersuchung von syntaktischen und semantischen Kategorien geben. Dieser Ansatz hat seine Weiterentwicklung in bestimmten Bereichen der Linguistik und in der analytischen Sprachpragmatik, vertreten durch Austin und Searle, gefunden. In den Vordergrund dieser Positionen tritt die Analyse von Sprechhandlungen: Neben der Bedeutung oder dem Inhalt einer Aussage (propositionaler Gehalt) kommt jeder sprachlichen Äußerung auch eine spezifische Aussage-Intention (illokutionärer Akt) zu, die ihre Rolle in der Verwendungssituation bestimmt. So kann z. B. die Äußerung ›Es zieht‹ als eine Aufforderung zum Schließen des Fensters verstanden werden, aber auch als die bloße Feststellung, dass es in einem Zimmer Zugluft gibt oder, noch anders, als eine Warnung an jemanden, der an Zugluft leidet und noch nicht bemerkt hat oder nicht weiß, dass es in einem bestimmten Zimmer zieht. Während der propositionale Gehalt einer Aussage die Semantik betrifft, gehört der illokutionäre Akt zur Pragmatik.

In einem weitaus unspezifischeren Sinne können auch Analysen von kontextabhängigen sprachlichen Ausdrücken, wie indexikalische Ausdrücke, Pronomina oder Zeitbestimmungen zum Bereich der Pragmatik gerechnet werden. Hierbei muss allerdings entschieden werden, inwieweit es möglich ist, die kontextabhängigen Ausdrücke so zu verallgemeinern, dass die Kontextbestimmungen verobjektiviert werden können. Während z. B. die Wahrheit bzw. Falschheit einer Aussage wie ›Es regnet‹ nur insofern bestimmt werden kann, als wir den Kontext, d. h. die Zeit und den Ort ihrer Äußerung kennen, ist das bei einer Aussage der Form ›Am Soundsovielten regnet es an der Stelle x‹ nicht der Fall, denn hier sind die Kontextbestimmungen explizit. Neben dieser Methode der Explikation lassen sich auch andere Analysen denken, die ausdrücklich pragmatisch sind, indem sie die Sprecher-Hörer-Beziehung in ihre Untersuchungen mit aufnehmen.

Noch allgemeiner ist die Bestimmung der Pragmatik durch die Semiotik von Peirce, der das Zeichen als eine dreisteilige Relation zwischen einem Zeichenträger, einem Zeichenobjekt und einem Interpretanten definiert. Dass ein Zeichen auch ein Interpretant ist, heißt bei Peirce, dass es bei dem Interpreten oder Zeichenverwender eine Handlung oder ein Gefühl hervorruft, auf die sich weitere Zeichenverwendungen stützen können. Peirce gilt nicht nur als Schrittmacher der modernen Semiotik, sondern auch als ein Begründer des Pragmatismus, für den er eine »pragmatische Maxime« entwickelt hat, die besagt, dass die Bedeutung, die ein Begriff, ein Satz oder eine Theorie hat, in ihrem Gebrauch, ihrer Wirkung und in ihrer Relevanz für Handlungszusammenhänge besteht.

Apel und Habermas haben die Einsichten der analytischen Sprachpragmatik zu einer Transzendentalpragmatik erweitert, in welcher die allgemeinen Bedingungen des kommunikativen Handeins untersucht werden.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt