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Holm Bräuer

Präsupposition

Von lat. praesuppositio , ›Voraussetzung‹: Im Allgemeinen spricht man von Präsuppositionen im Sinne von Voraussetzungen, die im Hinblick auf die Wahrheit oder Falschheit einer Aussage oder im Hinblick auf die Bejahung bzw. Verneinung einer Frage erfüllt sein müssen. So setzt z. B. die Beurteilung von Wahrheit oder Falschheit der Aussage 1 ›Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig‹ voraus, dass die Aussage 2 ›Es gibt einen gegenwärtigen König von Frankreich‹ wahr ist. Eine solche Unterstellung wird auch Existenz-Präsupposition genannt. Frege und in Folge auch Strawson haben in dieser Hinsicht zwischen der Voraussetzung (Präsupposition) einer Aussage und der Behauptung einer Aussage unterschieden. In unserem Beispiel setzt zwar Aussage 1 die Wahrheit der Aussage 2 voraus; doch das, was Aussage 2 ausdrückt, wird in 1 nicht explizit behauptet. Sollte es sich also herausstellen, dass es keinen gegenwärtigen König von Frankreich gibt, dann ist die Aussage 1 nicht falsch, sondern sinnlos. Entgegen dieser Auffassung schlägt Russell eine Analyse von singulären Kennzeichnungen (wie ›Der gegenwärtige König von Frankreich…‹) vor, bei der die Aussage 1 falsch wird. Ihm zufolge muss eine singuläre Kennzeichnung so verstanden werden, dass sie sich nicht direkt auf einen Gegenstand bezieht, sondern im Sinne einer Existenzquantifikation (›Es gibt einen Gegenstand x…‹) mit nachfolgender Prädikation (›…sodass x König von Frankreich ist‹) zu verstehen sei. Während die Konzeption von Frege und Strawson Probleme damit hat, den Sinn von singulären Kennzeichnungen, bei denen der Subjektbegriff leer ist, einsichtig zu machen, hat die Rekonstruktion Russells den Nachteil, dass sie sich eigentlich nur auf den Bereich der behauptenden Sprache anwenden lässt, denn der Bereich der fiktionalen Rede zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie keine Existenz-Präsuppositionen macht. Während die moderne Logik mit der Einführung der Quantoren ein Mittel besitzt mit der Existenz-Präsupposition umzugehen, muss in der klassischen Logik, die sich allein auf Subjekt-Prädikat-Urteile beruft, vorausgesetzt werden, dass der Subjektbegriff auf mindestens einen Gegenstand zutrifft.

Neben der Existenz-Präsupposition lassen sich weitere Klassen von allgemeinen Voraussetzungen ausmachen. Solche Sätze wie ›Herr Mayer hat seine Sekretärin um 16 Uhr nach Hause geschickt‹ setzen eine ganze Reihe von Präsuppositionen voraus, die in etwa so lauten könnten: 1. ›Irgend jemand hat eine Sekretärin.‹ 2. ›Irgend jemand ist der Chef einer Sekretärin.‹ 3. ›Es gibt eine Sekretärin, deren Chef Mayer heißt.‹ 4. ›Die Sekretärin war bis 16 Uhr im Büro.‹ usw. Im Falle, dass eine der Präsuppositionen nicht zutrifft, kann der Beispielsatz weder wahr noch falsch sein; man spricht hier von ›Wahrheitswertlücken‹.

Ein pragmatischer Präsuppositionsbegriff, der nicht mit Wahrheitswertlücken, sondern mit Akzeptabilitätsbedingungen arbeitet, wurde von Stalnaker vorgestellt. Zu den Hintergrundannahmen eines Diskurses zwischen verschiedenen Personen gehört es, dass die selbstverständliche Annahme der Wahrheit einer Äußerung und der ihr zugehörigen Präsuppositionen gleichzeitig von der Annahme begleitet ist, dass die anderen Personen des Diskurses dasselbe tun. Der Sprecher kann diese Annahme nur machen, wenn der Aussageinhalt zu einem gemeinsamen Hintergrundwissen gehört oder, wenn dies nicht der Fall ist, automatisch zu einem Teil des Hintergrundwissens gemacht wird. Dieses Hintergrundwissen und die entsprechenden Präsuppositionen der Äußerungen in einem Diskurs bestimmen seinen Kontext insofern, als nur in diesem Kontext entsprechende Äußerungen angemessen verstanden und weiterverwendet werden können.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt