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Holm Bräuer

Präexistenz

Von lat. prae , ›vor‹ und existere , ›existieren‹: Ausdruck, der in unterschiedlichen philosophischen Kontexten verwendet wird. In der Ontologie bezeichnet Präexistenz den nichtzeitlichen Seinsbereich. Porphyrios unterscheidet dementsprechend das Sein, welches vor allem Seienden existiert und das Sein, welches nur verbunden mit dem Seienden existiert. In der patristischen Theologie geht dieser Unterschied in die Bestimmung der Seinsweise Gottes über: Gott ist das Sein selbst, das nicht existiert, sondern präexistiert, da ihm alle Dinge erst ihre Existenz verdanken. Im Christentum wird die Vorstellung einer Präexistenz Christi vertreten. In der frühen Patristik verband sich damit eine Debatte, ob die Präexistenz Christi als vor seiner Inkarnation oder vor der Weltschöpfung verstanden werden muss. Daran ließ sich ein Argument anschließen, demzufolge Christus nicht von der Erbsünde betroffen ist, da ihm die Präexistenz zukommt.

Ihre eigentliche Bedeutung gewinnt die Lehre von einer Präexistenz in den Seelenwanderungsspekulationen der griechischen Antike. Noch Platon nimmt die Existenz der Seele in einem dem Leben vorangegangenen Zeitraum an, da sich nur so erklären ließe, wie wir zu dem Wissen von den Ideen gelangen, das nicht über einen Lernvorgang erworben, sondern durch die Technik der ›Wiedererinnerung‹ einsichtig wird. Die Seele existiert vor ihrem Eintritt in den menschlichen Körper im Reich der Ideen, nur deshalb kann sie während ihrer körperlichen Existenz die Ideen erkennen. In der Neuzeit (A) wird die Lehre von der Präexistenz der Seele von Locke und Leibniz kritisiert. Locke weist auf die Widersprüchlichkeit dieser Lehre hin, die darin besteht, dass einerseits angenommen wird, die Vernunft habe kein bleibendes Bewusstsein von dem, was die Seele in dem präexistenten Zustand getan hat, andererseits aber ist das Bewusstsein das Merkmal, welches die Identität der Person konstituiert. Entweder gehört also die präexistente Seele nicht zu derselben Person oder die jeweilige Person besitzt keine personale Identität. Leibniz’ Kritik läuft darauf hinaus, dass es unmöglich ist, zu einer Erkenntnis des präexistenten Seelenzustand zu gelangen, da dieser Zustand ja wiederum durch einen davor liegenden Zustand determiniert ist usw. Der Versuch, Erkenntnisse von einem präexistenten Seelenzustand zu gewinnen, führt also zu einem unendlichen Regress (regressus ad infinitum ). Leibniz führt deshalb einen qualitativen Unterschied in der Existenz und der Präexistenz des Seelenzustandes ein: Die präexistierende Seele zeichnet sich im Unterschied zur existierenden Vernunftseele durch eine unentwickelte Vernunfttätigkeit aus, die in keinen deutlichen, sondern in verworrenen Perzeptionen besteht.

Der Terminus Präexistenz findet später seinen Eingang in biologische Theorien, die mit der Lehre von der Präformation Zustände eines Individuums bezeichnen, die sich – wie bestimmte Gattungs- und Artmerkmale – nicht aus der bestimmten Lebensgeschichte des einzelnen Individuums erklären lassen.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt