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Holm Bräuer

Prädikabilien

Von lat. praedicabile , ›aussagbar‹: In seiner Einführung in die aristotelische Kategorienschrift (isagoge ) klassifiziert Porphyrios die von Aristoteles entwickelten allgemeinen Termini, die von mehreren Subjekten aussagbar, jedoch keinem bestimmten Subjekt zuordenbar sind. Zu diesen allgemeinen Prädikat-Termen zählen: Gattung (genus ), Art (species ), Unterschied (differentia ), eigentümliches Merkmal (proprium ) und zufälliges Merkmal (accidens ).

Die zunächst nur induktiv aus den in der Rede erfahrungsgemäß vorkommenden prädikativen Aussagen erschlossenen Prädikabilien lassen sich auch, wie Aristoteles in der Topik , seinem Lehrbuch der Technik logischer Argumentation, zeigt, systematisch begründen. Danach können die in der Aussage vorkommenden Prädikate nach zwei Prinzipien mit dem Subjekt des entsprechenden Satzes verglichen werden: Sind die Prädikate umfangsgleich oder umfangsverschieden vom Subjekt? Wird im Prädikat etwas für das Subjekt Wesentliches oder Unwesentliches mitgeteilt? Lässt sich die Stellung von Subjekt und Prädikat in der Aussage umkehren, so sind beide umfangsgleich: Das Prädikat drückt dann entweder das Wesen des Subjekts aus (Definition) oder nicht (proprium ). Sind beide Ausdrücke nicht umfangsgleich, dann ist das Prädikat entweder Bestandteil der Definition des Subjekts (Gattung und Differenz) oder es ist kein Bestandteil der Definition, kommt dem Ding, von dem man spricht, aber dennoch zu (Akzidens).

Die Prädikabilien stellen, im Unterschied zu den ebenfalls von Aristoteles entwickelten Kategorien, keine Einteilung allgemeiner Ausdrücke hinsichtlich dessen dar, was man über Dinge aussagen kann, sondern bestimmen eine Klassifikation allgemeiner Termini nach dem, wie die Termini selbst von Dingen ausgesagt werden. Es sind daher keine Begriffe, die sich auf die Dinge beziehen, sondern Ausdrücke, die auf sprachliche Zeichen angewandt werden. Sie haben daher einen metasprachlichen Charakter oder, wie sich Wilhelm von Ockham ausdrückt: Sie gehören nicht zur »ersten Intention« (Zeichen für etwas), sondern zur »zweiten Intention« (Zeichen für Zeichen), welche die Zeichen der ersten Intention nach ihren sprachlichen Eigenschaften und ihren möglichen logisch-semantischen Relationen charakterisiert.

Im Mittelalter (A) sorgte der Prädikabilienbegriff für zahlreiche Debatten im Rahmen des philosophischen Universalienstreites. Dabei standen sich insbesondere zwei Positionen entgegen: die Nominalisten, wie Abaelard und Wilhelm von Ockham, und die Realisten, wie Petrus Hispanus oder Albertus Magnus. Die nominalistische Auffassung lehnt die Annahme universaler Gegenstände ab und besagt, dass die Prädikabilien nichts anderes als geistige, gesprochene oder geschriebene Ausdrücke sind, die individuelle Gegenstände bezeichnen. Die Realisten hingegen nahmen an, dass die Prädikabilien universale Gegenstände bezeichnen, die in den zu einer Gattung oder Art gehörenden Individuen existieren.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt