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Holm Bräuer

Prädestination

Vorherbestimmtheit der menschlichen Handlungen oder der Ereignisse in der Welt durch die Vorsehung Gottes.

Augustinus hat im Rückgriff auf Paulus (Röm. 9–11) die Prädestination als ein vorausschauendes Festlegen des zukünftigen Handelns, der Hinordnung der Mittel auf ein Ziel bestimmt. Von dieser allgemeinen Bestimmung ist die religiöse Verwendung des Prädestinationsbegriffs zu unterscheiden. Im Sinne christlich-religiöser Vorstellungen bezeichnet er den Ratschluss Gottes, durch seine Gnade gewissen Menschen den Glauben und die ewige Seligkeit zu schenken, andere aber in Unglauben und Verderbnis zu lassen. Diese Lehre der doppelten Prädestination, nach der die einen zur Rettung, die anderen zur Verderbnis vorherbestimmt sind, wurde besonders im Calvinismus vertreten und ist heftig bestritten worden. Nach Weber ist die Lehre von der Gnadenwahl das charakteristische Dogma des Calvinismus, dessen puritanische Sittlichkeit und bürgerliche Askese sich im Wesentlichen aus dem Konzept der Prädestination speist.

Spinoza hat die Prädestination, den Ratschluss Gottes, mit der Notwendigkeit der Naturereignisse gleichgesetzt, die von den allgemeinen Naturgesetzen bestimmt werden. Neben der Frage, was den eigentlichen Inhalt der göttlichen Vorherbestimmtheit ausmacht, ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Determination und Freiheit der menschlichen Handlungen ein zentrales Merkmal der Prädestinationsdebatte. Schon Augustinus hat versucht, den Unterschied zwischen Prädestination und völliger Determination mit dem Argument klar zu machen, dass aus dem Wissen um das, was jemand tun wird, nicht folgt, dass dieser nicht frei oder gezwungen ist, so zu handeln. Allenfalls lässt sich sagen, dass dieser seine Freiheit, die er unwiderruflich hat, nicht tatsächlich ausübt.

Während für Kant die Prädestinationslehre deshalb abzulehnen ist, weil sie eine unsittliche Naturordnung voraussetzt, gilt der Prädestinatismus für Schleiermacher schon als ein »metaphysischer Determinismus«, bzw. »Fatalismus«. Für Engels stellt der Begriff der Prädestination die religiöse Verklärung der Tatsache dar, dass die Tätigkeit und das Geschick des Einzelnen nicht von diesem selbst, sondern von blinden, überlegenen, ökonomischen Mächten abhängig ist. In der Theologie des 20. Jhs. nimmt die Prädestinationslehre bei Barth eine zentrale Stellung ein.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt