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Holm Bräuer

Phänomen

Von griech. phainomenon , ›Erscheinung‹: Der Terminus wird in der Philosophie zur Bezeichnung der in der Sinnlichkeit gegebenen Erscheinung verwendet. Dabei kann er sowohl – im Sinne von Schein – auf das scheinhafte und unzuverlässige Wissen der Wahrnehmung oder auf die Erfahrung verweisen und in Abgrenzung zum begrifflichen Wissen stehen, welches sich im Horizont theoretischer Konstruktionen bewegt.

Platon bezeichnet alles sinnlich Gegebene als phainomenon , wobei bei ihm die Bedeutung von Schein immer mitschwingt. In seiner Ideenlehre vertritt er die Auffassung, dass das Wissen von empirisch gegebenen Gegenständen (phainomena ) gegenüber dem Wissen der Ideen, die nur dem Verstand zugänglich sind (noumena ) ein bloßer Schein ist. Prägnanten Ausdruck hat dieser Gedanke in seinem Höhlengleichnis gefunden. Platon vergleicht die Erkenntnissituation des Menschen mit der Situation von Höhlenbewohnern. Diese sitzen angebunden mit dem Gesicht zur Wand. Auf dieser Wand ziehen Schatten vorbei, die dadurch entstehen, dass hinter den angebundenen Menschen Geräte vorbeigetragen werden, die ihrerseits von einem dahinter befindlichen Feuer angestrahlt werden. So entstehen die Schattenbilder auf der Wand der Höhle. Übertragen besagt dies, dass die Menschen nicht die Dinge selbst sehen, sondern eben nur deren Schatten. Die Dinge selbst nennt Platon Ideen; die Schatten Abbilder (eidolon ). Wer zur Erkenntnis der Ideen gelangen möchte, der muss sich von seinen Fesseln lösen und aus der Höhle (dem Reich der Erscheinung) heraustreten ins Freie, wo er dann im Sonnenlicht (dem Reich der Ideen) die Ideen selbst erkennt.

In der neuzeitlichen Erkenntnistheorie herrscht eine Auffassung vor, nach der die Phänomene die begriffsfreien Grundbausteine der Erkenntnis abgeben. Phänomene in diesem Sinne sind Empfindungen oder Sinnesdaten, die dem Bewusstsein in äußerer oder innerer Erfahrung gegeben werden. Kant unterscheidet zwischen den Phaenomena und den Noumena und weist beide Begriffe als transzendental aus. Die uns in Raum und Zeit (die beiden ›Vorstellungsformen‹ des Menschen) empirisch gegebenen Erscheinungen werden von Kant insofern als Phaenomena bezeichnet, als sie »als Gegenstände nach der Einheit der Kategorien gedacht werden«, was heißen soll, dass uns die Gegenstände der Erfahrung nicht anders als unter den subjektiven Bedingungen der Sinnlichkeit und des Verstandes gegeben sind. Die Erkenntnisvermögen des Menschen also konstituieren die erscheinende Welt gemäß den Kategorien, und die Erkenntnis der »Welt an sich« ist prinzipiell nicht möglich.

Brentano unterscheidet zwischen psychischen und physischen Phänomenen, wobei Erstere eine höhere Realität haben als die physischen Gegenstände, denn sie sind dem Bewusstsein in einer unmittelbaren Evidenz gegeben. Die phänomenologische Konzeption von Husserl fundiert den Phänomenbegriff ähnlich wie Kant in einer transzendentalen Subjektivität. Heidegger kritisiert in seiner Grundlegung einer Fundamentalontologie diese Verwendung des Phänomen-Begriffs. Durch philosophisch-philologische Überlegungen versucht er diesem Begriff wieder einen ursprünglicheren, griechischen Sinn zurückzugeben, der das Phänomen als das »Sich-an-ihm-selbst-Zeigende« aufweist.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt