Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

Das utb-Online-Wörterbuch Philosophie bündelt das gesamte Grundlagenwissen zu Epochen, Personen, Strömungen und Begriffen der Philosophie. Das Philosophielexikon enthält über 1000 Artikel, die  von ausgewiesenen Fachleuten verfasst wurden. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Lexikon erfahren

Holm Bräuer

Pessimismus

Von lat. pessimum , ›das Schlechteste‹: Sammelbezeichnung für philosophische Grundhaltungen oder Weltanschauungen, die sich in der gesamten Geistesgeschichte finden lassen. Der Pessimismus sieht im Unterschied zum Optimismus die gesamte Weltordnung als verfehlt und den Menschen als verfallen an. Er verneint die Möglichkeit einer positiven Sinnerfüllung angesichts des Scheiterns persönlicher oder sozialer Utopien, angesichts der Unausweichlichkeit des Leidens und der Endlichkeit des Daseins. Als Weltanschauung speist sich der Pessimismus aus religiösen, metaphysischen, geschichtsphilosophischen oder anthropologischen Quellen. So lassen sich pessimistische Grundeinstellungen schon in der buddhistischen Philosophie, in der antiken Orphik, im Alten Testament und in der Gnosis ausmachen. In der christlichen Lehre verbindet sich ein innerweltlicher Pessimismus mit der Hoffnung auf eine jenseitige, außerweltliche Erlösung. Im Europa der Neuzeit (A) entwickelt sich der Pessimismus als eine Gegenbewegung zur Aufklärung (A Neuzeit – Aufklärung). Die Darstellung der Welt als »schlechteste aller möglichen Welten« in Voltaires satirischer Kritik der optimistischen Formel von Leibniz gehört genauso zu dieser Bewegung wie Rousseaus kulturpessimistische Einschätzung der europäischen Geistesgeschichte, die bei ihm jedoch in anthropologischer Hinsicht mit der optimistischen Annahme einer ursprünglichen menschlichen Güte verbunden ist. Angesichts des unaufhaltsamen kulturellen Verfalls sei es nur noch möglich, in privaten Rückzugsgefilden – ausgerüstet mit dem Ideal der Erziehung durch die Natur – der ursprünglichen menschlichen Güte einen Platz zu geben.

Als der eigentliche Begründer eines philosophischen Pessimismus gilt Schopenhauer. Die Welt ist nach Schopenhauer eine Objektivation eines blinden, irrationalen Willens, der sich – sobald er sich in Raum und Zeit individuiert hat – in zahllose Einzelwesen aufspaltet. Aus der lebensbejahenden Tendenz dieser Einzelwillen ergibt sich ein andauernder Konflikt eines jeden Einzelwillens gegen den anderen, was zum endlosen Leid führt. Leben heißt für Schopenhauer daher Leiden. Es gibt im Gefängnis der individuellen Einzelzellen keine andere Perspektive als den Schmerz und den Tod. Die radikale Verneinung des Willens zum Leben, die radikale Selbstkasteiung und bedingungslose Askese in dieser schlechtesten aller möglichen Welten ist daher der eigentliche ethische Imperativ dieser Philosophie des systematischen Pessimismus. Nietzsche gab dem resignativen Zug des schopenhauerschen Pessimismus eine heroische Wendung und entwickelte einen »Pessimismus der Stärke«, der sich auf die produktive Kraft »großer Individuen« stützt und zur Überwindung des Nihilismus, dem modernen Pessimismus, beiträgt.

Eingedenk der realen Schrecken, die das 20. Jh. mit sich gebracht hat, lassen sich vielerlei Untergangsstimmungen und pessimistische Grundhaltungen ausmachen. Beispiele dafür sind der Kultur-Pessimismus Spenglers, der metaphysische Pessimismus Horkheimers oder H. Marcuses sowie die anthropologischen und kulturkritischen Arbeiten Gehlens, die von einer Philosophie des Pessimismus und Lebensernstes getragen sind.

Zurück zur Übersicht

Das Buch

Mehr zum Handwörterbuch Philosophie...

Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt