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Holm Bräuer

Perzeption

Von lat. percipere , ›erfassen, ergreifen, wahrnehmen‹: In der Erkenntnistheorie der Neuzeit (A) versteht man darunter sowohl den Vorgang der inneren und äußeren Wahrnehmung als auch den Inhalt der Wahrnehmungen selbst.

In Descartes’ Unterscheidung zwischen res extensa und res cogitans bezeichnet die Perzeption den eigentümlichen Vollzug der denkenden Substanz. In einem weiten Sinn können dabei alle Erkenntnisweisen des Menschen, wie Einbilden, Erinnern, Denken oder Empfinden Perzeptionen genannt werden. Leibniz unterscheidet zwischen Perzeption und Apperzeption, um den Unterschied zwischen dem bloßen Haben von Vorstellungen und den kognitiven Leistungen, die vom Bewusstsein begleitet werden, hervorzuheben. Das unterscheidende Prinzip bilden dabei die Grade der Deutlichkeit. Eine Vorstellung, die nicht klar und deutlich und in diesem Sinne durch das bloße Haben einer Vorstellung gekennzeichnet ist, heißt Perzeption, wobei Leibniz noch zwischen der natürlichen Perzeption, der Perzeption, begleitet vom Gedächtnis, und der Perzeption, begleitet von einem Bewusstsein, unterscheidet. Obwohl die leibnizschen Monaden keine bewussten Vorstellungen von ihren Perzeptionen haben, konstituieren diese ihre Einheit, und die Perzeptionen gelten als die Bedingung der Zusammenfassung der Vielheit der Welt zur Einheit des Bewusstseins. Durch Berkeleys berühmte Formel esse est percipi wird Sein und Wahrgenommenwerden gleichgesetzt. Ihm zufolge gibt es kein Ding an sich, kein Objekt ohne Subjekt. Nicht nur die Dinge, sondern auch das Ich konstituiert sich durch das Perzipieren, wobei das Sein des Subjekts als die nicht zu vergegenständlichende reine Tätigkeit des Vorstellens von Gegenständen aufgefasst wird. Für Kant sind Perzeptionen (im Unterschied zu Empfindungen oder Erkenntnissen der Erfahrung) bewusste Vorstellungen. Der Begriff der Vorstellung bildet bei ihm den Oberbegriff zu Empfindung, Perzeption und Erkenntnis. Locke versteht unter Perzeption das erste und fundierende Vermögen des Verstandes. Das Vorhandensein von Perzeptionen grenzt die Tiere von den Pflanzen und anorganischen Gegenständen ab. Perzeptionen bilden die ersten einfachen Ideen und stellen somit die Grundlage für die Reflexion dar, durch welche diese einfachen Ideen zu komplexeren zusammengesetzt werden.

Whitehead wendet sich gegen Auffassungen von Perzeption als einem bloß passiven Wahrnehmen. Er entwickelt dazu den Ausdruck ›Prehension‹, die die schöpferischen Akte des Subjekts, seine aktive Erfassung der Welt als Handlung im Zuge seiner Selbstentfaltung erfassen soll.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt