Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Holm Bräuer

Ordo

Lat. ›Ordnung‹: Einer der zentralen Leitbegriffe in der mittelalterlichen Philosophie. Der Ordo, die Ordnung der Welt und des Seins, bestimmt sich für Augustinus durch die »Zusammenstellung gleicher und ungleicher Dinge durch Zuweisung des einem jeden zukommenden Standortes«. Die Vorstellung von einem ordnenden und schöpferischen Gott, der allen Kreaturen und Gegenständen ihren Platz, ihre unveränderliche Position in der Weltordnung zuweist, war eine der gemeinsamen Überzeugungen in der mittelalterlich-christlichen Philosophie. Die Aufgabe des Menschen – der keinen festen Platz in diesem Ordnungsgefüge einnimmt – bestehe darin, die Schöpfungsstufen durch Erkenntnis und sittliches Leben emporzusteigen, seine Sünde aber in der Zuneigung zu den unteren, zu den bloß geschöpflichen Seinsstufen.

Erst in der Hochscholastik wird die augustinische Definition des Ordo verbessert, indem ihr die aus der aristotelischen Ordnungskonzeption bekannte Finalität hinzugefügt wird, die neben der Zu- und Unterordnung der Dinge unter sich auch ihre Hinordnung auf eine letzte Ursache akzentuiert. Die Übertragung der Ortsmetapher in Augustins Definition auf den Bereich des Immateriellen soll durch die Einführung einer distinctio formalis vermieden werden. So hat Bonaventura, ähnlich wie auch später Thomas von Aquin, zwischen der Ordnung der Dinge im Universum und der Ordnungswirkung der göttlichen Weisheit unterschieden. Beide sind zwar aneinander angepasst, doch die Vollkommenheit des Universums wird der göttlichen Güte und Weisheit, auf die alles Sein hinstrebt, untergeordnet. Thomas von Aquin macht sich für das Verhältnis beider Ordo-Begriffe die Analogie mit einem Künstler zunutze: Dieser nämlich setzt die in seinem Geist vorhandene ›intellektuelle‹ Ordnung eines Hauses (die Idee des Hauses) in eine ›materielle‹ Ordnung um, indem er aus Holz und Steinen ein Haus formt. Die einzelnen Elemente des Hauses begründen zwar unter sich eine bestimmte räumliche Anordnung, bleiben aber insgesamt als Haus auf ihren letztlichen Zweck, darin zu wohnen, hingeordnet.

Am Ende der Neuzeit (A) löst sich der an einer göttlichen Stufenfolge orientierte Ordo-Begriff langsam auf. An die Stelle Gottes tritt zunächst die Natur und mit Kant schließlich das erkennende Subjekt, welches die Ordnung durch seine Erkenntnistätigkeit in die Natur selbst hineinträgt. Parallel dazu wird der statische, unabänderliche Charakter des Ordo, der in der Hochscholastik schon teilweise zurückgenommen worden war, mehr und mehr in eine prozessuale Vorstellung verwandelt.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt