Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Holm Bräuer

Objektivität

Anspruch der wissenschaftlichen Erkenntnis auf Wirklichkeitstreue und Sachlichkeit hinsichtlich der vom Wissenschaftler gemachten Aussagen und seiner Theorien. Diese sollen möglichst unabhängig von subjektiven Einflüssen, frei von Fehlerquellen und ohne den Einfluss der persönlichen Meinung sein. Als Kriterien für die Objektivität wissenschaftlicher Resultate gelten insbesondere die Allgemeingültigkeit und die Überprüfbarkeit durch alle anderen Mitglieder einer Forschungsgemeinschaft. Insofern kann unter Objektivität auch die intersubjektiv anerkannte Gültigkeit von Forschungsverfahren und Ergebnissen verstanden werden.

Eine extreme Forderung nach Objektivität stellt der Objektivismus in der positivistischen Wissenschaftstheorie, der eine völlig voraussetzungslose Betrachtung und Analyse der Gegenstände wissenschaftlicher Erkenntnis für möglich hält. Allerdings geht in jede Forschung eine ganze Menge an Vorwissen ein, welches in der Ausbildung des jeweiligen Wissenschaftlers erworben wurde und aus methodologischen Vorannahmen, Annahmen über die Art und das Verhalten der zu untersuchenden Objekte sowie aus zahlreichen Überlegungen besteht, die Wechselwirkungen mit anderen Einfluss- oder Störgrößen betreffen. Im Falle naturwissenschaftlicher Forschung spielt auch die zur Verfügung stehende technische Ausrüstung eine große Rolle. Objektivität kann daher nicht Voraussetzungslosigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens bedeuten, sondern dessen intersubjektive Nachvollziehbarkeit unter den Bedingungen, die vom jeweiligen Wissensstand diktiert werden. Inadäquate und subjektive Forschungsresultate kommen dagegen zustande, wenn die von der Forschergemeinschaft aufgestellten oder die von ihr akzeptierten Regeln verletzt werden bzw. das Zustandekommen der Ergebnisse nicht öffentlich nachvollzogen werden kann. Wenn Fehler in der Methode oder der Argumentation nachgewiesen werden können, hat das einen Einfluss auf die Objektivität der Forschung. Objektivität darf jedoch nicht mit Wahrheit gleichgesetzt oder mit buchstäblicher Gegenstandstreue verwechselt werden, sondern sie ergibt sich aus der Anerkennung des jeweiligen Forschungsstandes und der Akzeptanz und Übereinstimmung mit den Regeln und Methoden, die von der Forschergemeinschaft praktiziert werden. In der Naturwissenschaft hat seit der Neuzeit (A) immer mehr das Experiment die Rolle der Überprüfung wissenschaftlicher Hypothesen eingenommen. Den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften steht dieses Instrument nicht bzw. nur in einem sehr eingeschränkten Umfang zur Verfügung. Hier kommt es dagegen auf die kritische Diskussion und Argumentation an, in der sich die Forschungsergebnisse bewähren müssen.

In der Wissenssoziologie wird die Abhängigkeit allen Wissens vom gesellschaftlichen Standpunkt, den der Wissenschaftler einnimmt, problematisiert. Mannheim hat daher den Ideologiebegriff totalisiert: Wissen sei nur in einem sozialen Zusammenhang möglich und an einen gesellschaftlichen Standort gebunden, der die Sichtweise auf die Dinge bestimmt. Objektivität könne nur durch einen zusätzlichen Schritt hergestellt werden, in dem man das Wissen durch Umrechnung und Übersetzung für alle anderen Standpunkte zugänglich macht und auf diese Weise die Standpunktbezogenheit neutralisiert.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt