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Holm Bräuer

Noumenon

Ein auf Platon zurückgehender Begriff, mit welchem ein Gegenstand bezeichnet werden soll, der nur dem Denken oder dem Geist zugänglich ist. Für Platon sind solche Gegenstände – insbesondere die Ideen – reine urbildliche Wesenheiten der Erkenntnis. Sie stehen im Gegensatz zu den Gegenständen der sinnlichen Wahrnehmung, die er phaenomena (Phänomen) nennt.

Besondere Bedeutung hat die Unterscheidung zwischen phaenomena und noumena bei Kant. Noumena sollen nach ihm Gegenstände heißen, die nicht in unserer sinnlichen Anschauung gegeben werden können. Dabei unterscheidet er zwischen den Noumena in negativer und in positiver Hinsicht. Ein Noumenon in negativer Bedeutung ist ein Ding, welches durch die Abstraktion von unserer Anschauung zustande kommt. Kant nennt solche Gegenstände Ding an sich und meint, dass wir wegen unseres Angewiesenseins auf sinnliche Erfahrung keine Erkenntnis von solchen noumenalen Gegenständen haben können. In positiver Bedeutung sei ein Noumenon hingegen ein Objekt, welches in einer nicht sinnlichen Anschauung gegeben werden kann. Da wir aber über keine nicht sinnliche, intellektuelle Anschauung verfügen, können wir uns nach Kant auch keine Vorstellung von den Eigenarten solcher Noumena in positiver Bedeutung machen. Nur für Wesen, die über eine intellektuelle Anschauung verfügen, wäre es möglich, solche Noumena in positiver Bedeutung zu erkennen. Kants Begriff eines noumenalen Gegenstandes weicht durch die kritische Einschätzung hinsichtlich der Möglichkeit von Erkenntnissen über noumenale Objekte von dem Begriff des Noumenon ab, wie ihn Platon ursprünglich verstanden hatte. Für Platon sind nur die Verstandeswesen (noumena ) im eigentlichen Sinne wirklich, während die Sinnenwesen (phaenomena ), bloßer Schein sind. Durch Kant wird dieses Verhältnis in einer gewissen Weise umgekehrt, denn in der Erörterung der Möglichkeiten der Erkenntnis spielt der Begriff des Noumenon nur noch eine kritische Rolle. Für den Menschen als moralisches Wesen sieht dies allerdings anders aus, denn als ein Vernunftwesen ist der Mensch in der Lage, einen reinen Willen auszubilden, welcher seine Ursache nicht in den Erscheinungen phaenomena ), sondern allein im Verstand hat, weshalb der Mensch nicht nur als ein Phaenomenon angesehen werden darf. In der Bestimmung des moralischen Wesens hat der kantische Begriff des Noumenon demnach nicht nur einen kritischen, sondern auch einen konstitutiven Sinn.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt