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Holm Bräuer

Neigung

Bezeichnet im Allgemeinen eine gewohnheitsmäßige Stimmung (Disposition) oder Gerichtetheit der Seele bei der Ausübung menschlicher Handlungen. So spricht man insbesondere davon, dass jemand eine bestimmte Neigung hat, etwas zu tun oder zu unterlassen, bzw. dass eine Neigung besteht, etwas auf diese Weise und nicht auf jene zu tun. Neigung ist im engeren Sinne ein ethischer Begriff, der je nach positiver oder negativer Einschätzung der menschlichen Natur entweder den Tugenden oder der Natur des Menschen oder beidem zugerechnet wird.

Für die englische Moralphilosophie besteht das Ziel der Ethik in der Glückseligkeit und um diese zu erreichen, müssen die Natur und gewisse gewohnheitsmäßige Neigungen des Menschen zusammentreten. Shaftesbury hat die Einteilung in egoistische, altruistische und höhere Neigungen vorgenommen. Für Hutcheson sind die Neigungen sowohl mit den Leidenschaften als auch mit der Gewohnheit verbunden, wobei er das moralische Übel auf ein Übergewicht an egoistischen Neigungen zurückführt. Für Hume entstehen die Neigungen aus der Erwartung von Lust oder Unlust. Aus den Neigungen entstehen Handlungsmotive und -ziele, wobei es die Aufgabe der Vernunft ist, die richtigen Mittel zur Erreichung der angestrebten Ziele bereitzustellen.

Ganz im Gegensatz dazu entstammen nach Kant die ethischen Prinzipien allein der Vernunft und nicht den Gefühlen. Für ihn haben die Neigungen einen natürlichen Ursprung und drücken eine gewisse Art von »sinnlicher Begierde« aus. Zwar kann nach Kant der Wille von den Neigungen bestimmt sein, doch dieser Wille ist nicht moralisch. Ein moralischer Wille ist im Wesentlichen ein freier Wille, der ohne die Mitwirkung sinnlicher Antriebe zustande gekommen und bloß durch die Vernunft bestimmt ist. Moralischen Wert haben daher nur Handlungen, wenn sie »nicht aus Neigung, sondern aus Pflicht« erfolgen.

Gegen diese Art von Rigorismus hat sich vor allem Schiller gewandt, der zwar mit Kants Ausschluss der Glückseligkeit aus der Ethik einverstanden ist, jedoch dessen Behandlung der Neigungen für lebensfremd angesehen hat. Für Schiller hat die ästhetische Erziehung zur schönen Seele, bei der Pflicht und Neigungen harmonieren, Priorität vor der Verdammung aller Neigungen aus der Bestimmung des moralisch handelnden Individuums. Noch viel grundsätzlicher hat Nietzsche die kantische Trennung von Pflicht und Neigung kritisiert. Nach ihm sind sowohl die Bejahung als auch die Leugnung der Neigungen Resultate von Trieben und ein Ausdruck des Willens zur Macht. Da Nietzsche die Neigungen auf die Triebe zurückführt, stehen sie für ihn jenseits von Gut und Böse. In der modernen psychologischen und anthropologischen Diskussion spielen Neigungen keine entscheidende Rolle mehr.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt