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Holm Bräuer

Naturalismus

Als naturalistisch wird im Allgemeinen jede Position bezeichnet, die alle Bereiche der Wirklichkeit auf die Natur zurückführt. Man unterscheidet verschiedene Spielarten des Naturalismus, die alle nur mehr oder weniger klar umrissen sind. Dazu gehören insbesondere der erkenntnistheoretische oder metaphysische Naturalismus, der theologische Naturalismus, der ästhetische Naturalismus und der ethische Naturalismus.

Die erkenntnistheoretische Richtung des Naturalismus geht davon aus, dass es keine Gegenstände oder Ereignisse gibt, die außerhalb der Naturordnung stehen. Obwohl der empirische Charakter der menschlichen Erkenntnis betont wird, ist der erkenntnistheoretische Naturalismus nicht identisch mit dem Empirismus. Er steht vielmehr dem Materialismus sehr nahe. Moderne naturalistische Positionen lehnen sich eng an die neuzeitlichen Naturwissenschaften und deren szientifische Methoden an, was mit der Überzeugung verbunden ist, dass es keine eigenständigen philosophischen Methoden der Erkenntnisgewinnung gibt. Programmatisch sind dabei die Methoden der Reduktion und Elimination, durch welche traditionelle Gegenstände der Philosophie auf naturwissenschaftliche Objekte reduziert oder als nicht existent angesehen werden. So wird z. B. von einigen Vertretern des Naturalismus die These vertreten, dass sich alle geistigen Prozesse auf biologische oder physikalische Prozesse zurückführen lassen.

Auch der theologische Naturalismus vertritt eine ähnliche Auffassung, nämlich dass sich im Prinzip alle Phänomene ohne den Rekurs auf ein übernatürliches Prinzip oder Wesen erklären lassen. Das Verhältnis des Menschen zu Gott und die religiösen Pflichten werden dabei nicht aus der göttlichen Offenbarung, sondern aus der menschlichen Vernunft abgeleitet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. greift der Naturalismus auch auf die Ästhetik über. Mit seiner realistischen Kunstauffassung steht er im Gegensatz zur Idealisierung der Wirklichkeit durch die romantische und neuromantische Literatur und sieht seine Aufgabe in der Herausarbeitung eines unverfälschten Ausdrucks des Naturhaften. Dabei verfolgt er oft auch eine gesellschaftskritische Intention, wobei allerdings mit Natur hauptsächlich die gesellschaftlich vermittelte und von den Menschen hervorgebrachte Welt bezeichnet wird.

Eine besondere Stellung nimmt der ethische Naturalismus ein, der die Ausbildung der so genannten natürlichen Anlagen des Menschen zum moralischen Ziel erklärt und das sittlich-moralische Handeln im Rückgriff auf die der menschlichen Natur innewohnenden Triebe erklärt. Moore hat den ethischen Naturalismus zu einer Form der Metaethik entwickelt, die nicht mehr als eine normative (präskriptive) Theorie verstanden wird, sondern als eine Theorie der Bedeutung moralischer Ausdrücke, insbesondere solcher Worte wie ›gut‹ oder ›gerecht‹. Ihm zufolge wird mit ›gut‹ eine natürliche Eigenschaft eines Objektes bezeichnet, was zu einer Identifikation natürlicher mit moralischen Eigenschaften führt. Dies wird oft ›naturalistischer Fehlschluss‹ genannt. Eine besondere Form des ethischen Naturalismus bildet der Utilitarismus, welcher das Gute als das definiert, was der Befriedigung der größtmöglichen Anzahl von Individuen dient. Auch in anthropologischen, soziobiologischen und rechtspositivistischen Ansätzen wird oft ein ethischer Naturalismus vertreten.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt