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Holm Bräuer

Natura naturans – natura naturata

Lat. ›schaffende Natur / geschaffene Natur‹: Bildet ein Begriffspaar, welches auf die lateinischen Übersetzungen und Kommentare von Aristoteles-Texten durch Averroës und Michael Scottus zurückgeht. Die ursprüngliche Unterscheidung betrifft den Unterschied zwischen den Naturprodukten, welche die Quellen ihrer Entwicklung in sich tragen, und den Kunstprodukten, deren Hervorgehen durch anderweitige Ursachen erklärt werden muss. Dieses Begriffspaar wird aber schon durch Scottus auf das Verhältnis von Gott und Welt übertragen.

In der scholastischen Tradition wurde vor allem die Frage diskutiert, ob dieses Begriffspaar auf das christlich-trinitarische Zeugungsgeschehen anwendbar ist. Albertus Magnus und Thomas von Aquin lassen dies nur mit Einschränkungen zu, während Meister Eckhart und Raymundus Lullus diese Begriffe zur Auslegung des Schöpfungsprozesses verwenden. In der neuzeitlichen und idealistischen Philosophie spielt insbesondere die Interpretation von Spinoza eine große Rolle. Spinoza unterscheidet zwischen der Substanz, die als göttliche Natur durch sich selbst bestehen kann (natura naturans ), und den Modi des Denkens und der Ausdehnung, die als hervorgebrachte Natur (natura naturata ) nicht ohne die hervorbringende Natur bestehen können. Diese Unterscheidung setzt sich in der Spinoza-Rezeption und in der Diskussion um den Pantheismus fort, welche vor allem von Lessing und F. H. Jacobi geführt wurde. Auch die idealistischen Konzeptionen von Hegel und Schelling beziehen sich auf die Unterscheidung von Spinoza. Während Hegel die Reduktion des Denkens auf die natura naturata kritisiert und durch die Selbstbewegung der Denkprozesse auflöst, kommt bei Schelling die Natur, welche er in seiner Naturphilosophie im Gegensatz zu den Naturwissenschaften nicht als bloßes Objekt, sondern als bildende Kraft (natura naturans ) ansieht, im Geist zu sich selbst. Die Einheit beider wird dabei als das Absolute angesehen. Für Schopenhauer konkretisiert sich der Wille als natura naturans in der Welt der Vorstellungen zur natura naturata . Bergson interpretiert dieses Begriffspaar als die Differenz zwischen den gesellschaftlichen Zwängen und dem freien Streben des Individuums. Die natura naturans ist bei ihm jedoch nicht mehr die schöpferische Quelle des Geschehens, sondern sie wird als Ziel verstanden, auf das der élan vital zustrebt. Im Allgemeinen steht die Vorstellung der natura naturans als ein organismisches Bild der Natur im Gegensatz zum mechanistischen Weltbild, welches sich in der Neuzeit (A) herausgebildet hat.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt