Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Andreas Preußner

Mundus intelligibilis

Lat. ›Welt des Denkbaren‹: Seit Platon gibt es die ontologische Scheidung des Seienden (Sein) in zwei Teile: die Welt des Denkens (kosmos noetos / mundus intelligibilis ) und die Welt der Sinne (kosmos aisthetos / mundus sensibilis). Der mundus intelligibilis ist der Bereich des Immerseienden, das kein Werden (Veränderung) zulässt. Das Intelligible ist als Idee das wahrhaft Seiende, durch die alles andere überhaupt im Sein gehalten werden kann. Der mundus intelligibilis ist allein der Vernunft (nous ) zugänglich. Auch die Erschaffung der Welt, wie sie dem Menschen zunächst begegnet, ist davon abhängig: Der ordnende Gott (Demiurg) kann nur insofern schaffen, als er die Ideen als Vorbilder zur Verfügung hat. Der mundus intelligibilis besteht nicht aus lauter einzelnen Ideen, sondern aus ihrer Verflechtung. Diese wird durch die obersten Gattungen (megistai gene ) gestiftet: Sein, Selbigkeit / Andersheit, Ruhe / Bewegung. So ist es möglich, dass die Ideen in einem geregelten Bezug zueinander stehen, ohne den die Existenz der Dinge der Sinnenwelt nicht vorstellbar wäre (methexis ). Im Christentum wird der mundus intelligibilis vor allem für Augustinus relevant. Er modifiziert den platonischen Gedanken so, dass Gott selbst zum seienden und denkenden Ort der Ideen wird. Somit verliert der mundus intelligibilis seine Eigenständigkeit; er ist eingebunden in den Bereich des von Gott Geschaffenen. Die denkende Einheit der Ideen wird hier zur ewigen und unwandelbaren Vernunft, d. h. zur Wahrheit selbst, durch die sie (die Ideen) dem endlichen Denken einzuleuchten vermögen. Bei Kant bedeutet mundus intelligibilis eine Welt der Dinge an sich. Dieser Welt steht der mundus sensibilis (die erscheinende Welt) gegenüber. Aus dem ontologischen Dualismus Platons (bei dem die Ideen für den Menschen prinzipiell erkennbar sind) wird bei Kant ein erkenntnistheoretischer Dualismus, bei dem der Mensch das intelligible Reich des ›An sich‹ prinzipiell nicht erkennen kann, sondern nur das Reich der Erscheinung. Erkenntnis der erscheinende Welt aber heißt, dass der erkennende Mensch die Mannigfaltigkeit der sinnlichen Affektionen, die er gemäß seinen Vorstellungsformen Raum und Zeit rezipiert, kraft der Kategorien (nämlich Quantität, Qualität, Relation und Modalität) zu einem Begriff formt. Insofern sind die Bedingungen der Erkenntnis der (erscheinenden) Dinge zugleich die Bedingungen der Existenz dieser Dinge.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt