Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Andreas Preußner

Mitleid

Es lassen sich verschiedene Formen ausmachen: Mitleid kann als Mitleiden mit der Not oder dem Schmerz anderer verstanden werden, woraus tätige Hilfe resultiert. Das Mitleid ist entweder pathologisch (als Leidenschaft verstanden), wenn die Tat unmittelbar vom Schmerzgefühl geleitet wird, oder aber vernunftgeleitet. Im letzteren Fall kann das Mitleiden mit der Tugend der Barmherzigkeit gleichgesetzt werden. Das pathologische Mitleid kann hingegen eine Trennung von Gefühl und Handlung mit sich führen. Dann kreist das Gefühl passiv in sich selbst und die Hilfeleistung bleibt meist aus. Diese Doppeldeutigkeit hat Kant genau gesehen: Das warme Gefühl des Mitleidens ist zwar als eine gewisse Weichmütigkeit schön und liebenswürdig, sofern es mit der Tugend übereinstimmt, doch ist es zugleich schwach und blind, weshalb es nicht Bestimmungsgrund moralischen Handelns werden kann. Ganz im Gegensatz zu dieser Position macht Schopenhauer das Mitleid zum Prinzip seiner Ethik. Das Mitleid ist die natürliche, uneigennützige und allein echt moralische Triebfeder. Alle moralischen Handlungen, zusammengefasst in der Tugend der Gerechtigkeit und der Menschenliebe, lassen sich auf sie zurückführen. Eine gänzliche Absage erteilt Nietzsche dem Mitleid. Es ist ein Zeichen der Schwäche des niedergehenden Lebens. Dem Mitleid fehlt der Charakter des tonischen Affekts, ja es ist sogar das genaue Gegenteil davon. Dadurch wird es zum Multiplikator des Elends – der Mitleidende lädt sich unnötig fremdes Leid auf – und zum Konservator alles Elenden, da es davon abhält, dies zu vernichten. Die rigorose Verurteilung des Mitleids darf nicht als Menschenhass missdeutet werden. In Nietzsches Konzeption der Lebenssteigerung wirkt das Mitleid wie Ballast, der den Schwung des auf Kraftvermehrung hinstrebenden Menschen bremst, und somit zu dessen Scheitern beiträgt. Insofern wird das Mitleid hier nicht als moralisch nützlich oder unnütz beurteilt, sondern als tauglich oder untauglich für das Leben selbst.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt