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Dr. Andreas Preußner

Mimesis

Griech. ›Nachahmung‹: Der philosophische Gebrauch des Begriffs entstammt ursprünglich der Musiktheorie. Dabei geht es darum, dass sich Stil, Rhythmus und Tonart nach dem Wort richten müssen, d. h. passen sollen. Im Bereich des Schauspiels wird unter Mimesis die Aktion von handelnden Personen bzw. die szenische Darstellung verstanden, die auch ohne Erläuterungen des Dichters offenbar ist. Komödie und Tragödie sind reine – nicht erzählende – Formen der Mimesis. Ihre Mittel sind Stimmen und Gebärden. Platon hat den Gedanken der Mimesis im ontologisch-erkenntnistheoretischen Sinne eingeführt. In seinem ontologischen Dualismus zwischen dem ewig gleich bleibenden ›Reich der Ideen‹ und dem sich stets verändernden ›Reich der Erscheinung‹, ist das Letztere ein Abbild, das eine seinem Seins- und Wahrheitsgehalt nach geringer Stufe des Ersteren darstellt, das das Urbild ist. Im Reich der Erscheinung unterscheidet Platon dann die von Demiurgen hergestellte Welt und die vom Menschen hergestellten Artefakte. Deren Herstellung setzt voraus, dass der Handwerker Kenntnis der Idee dessen hat, was er herstellen will. Insofern steht der Artefakt in Methexis zur Idee, hat an ihr Anteil. Der Künstler hingegen kennt die Idee nicht, und ahmt nur entweder die Natur oder die Artefakte nach (Mimesis). Deshalb haben die Kunstwerke keinen Anteil an den Ideen.

Aristoteles greift den Gedanken der Mimesis in seiner Poetik auf. Für ihn gibt es nur die Mimesis als Darstellung handelnder Personen. Mittel sind Wort, Harmonie und Rhythmus, Gegenstände der Mimesis sind Charaktere, Leidenschaften und Handlungen. Dabei meint Mimesis nie platte Abschilderung der Natur, sondern die Tragödie ist die Mimesis einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache – wobei die formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden –, die Jammer und Schauder hervorruft und hierdurch eine Reinigung von diesen Leidenschaften bewirkt. Daraus geht hervor, dass es nicht die Aufgabe des Dichters ist mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen könnte, d. h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit Mögliche. Wichtig für die so verstandene Mimesis ist es, dass nicht einfach Episoden mehr oder weniger kunstvoll aneinandergereiht werden, sondern dass sie eine in sich geschlossene Handlung zum Gegenstand hat. Den Gegenständen der Mimesis sind enge Grenzen gesetzt: Weder darf gezeigt werden, wie makellose Menschen einen Umschlag vom Glück ins Unglück erleben, denn dies ist nicht schaudererregend noch jammervoll, sondern abscheulich; auch darf nicht gezeigt werden, wie Schurken einen Umschlag vom Unglück ins Glück erleben, denn hier fehlen Jammer und Schauder ebenso; endlich ist auch der Umschlag vom Glück ins Unglück für den Schurken nicht zeigenswert, denn es erzeugt allenfalls Genugtuung. Was übrig bleibt, ist der Held, der zwischen diesen Möglichkeiten steht. Dieser erleidet den Umschlag ins Unglück nicht trotz sittlicher Größe oder herausragendem Gerechtigkeitsstreben, auch nicht wegen seiner Schlechtigkeit und Gemeinheit, sondern wegen eines Fehlers.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt