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Dr. Wulff D. Rehfus

Münchhausen-Trilemma

Beim so genannten Münchhausen-Trilemma handelt es sich um das Problem der Letztbegründung. Der Sache nach tritt es bereits in der Skepsis auf, wurde aber erst von H. Albert so benannt.

Um 49 vor Chr. entwickelten die Skeptiker den Grundsatz des ›gleichwertigen Widerstreits‹ von Sätzen, die ›Isosthenie‹. Dazu benannten sie so genannte Tropen, standardisierte Argumentationsfiguren, die sich gegenseitig aufheben und in allen Urteilssituationen anwendbar sind. Die Tropen sind fünf erkenntnistheoretische Zweifel, aus denen folgt, dass man sich des Urteils enthalten müsse (epoché ): So behauptet der erste, grundlegende Tropus die unaufhebbare Gegensätzlichkeit von Behauptungen. Es sei nämlich nicht entscheidbar, wer Recht habe, diejenigen, die sagen, dass nur die sinnlichen Dinge wahr seien oder diejenigen, die sagen, dass nur die geistigen Dinge wahr seien. Denn wolle man zweitens diese Frage entscheiden, dann gerate man in einen unendlichen Begründungsregress. Da drittens alle sinnlichen Dinge auf sinnliche Wahrnehmung bezogen seien, wären allesamt relativ (nämlich bezüglich der Erfahrung). Bräche man nun, viertens, beim Begründungsregress an einer beliebigen Stelle ab, dann könne man gleich die gegenteilige Annahme als Hypothese nehmen. Fünftens schließlich führe die Begründung in die Diallele, dann nämlich, »wenn dasjenige, das den fraglichen Gegenstand stützen soll, selbst der Bestätigung durch den fraglichen Gegenstand bedarf« (Sextus Empiricus). Da nun also aus den fünf vorgebrachten Gründen verbindliche Urteile nicht gefällt werden können, muss jede Behauptung dogmatisch sein – und dies werfen die Skeptiker den Epikureern vor. Wenn nun aber jede Behauptung dogmatisch ist, weil gar keine Fragen argumentativ endgültig entschieden werden können, müssen die Urteile, die man dennoch fällt, die Seele in Aufruhr versetzen. Um dies zu vermeiden, hat man in der Konsequenz auf Urteile zu verzichten.

Später thematisierte Schopenhauer das Problem in seiner Auseinandersetzung mit dem ontologischen Gottesbeweis und dem Postulat einer causa sui , einer Denkfigur, die er mit dem Baron Münchhausen vergleicht. Das Bild des Baron Münchhausen verwendet auch Nietzsche in Jenseits von Gut und Böse . Er erklärt die Freiheit des Willens als causa sui und vergleicht diese dann ebenfalls mit dem Baron Münchhausen. Dingler beschreibt dieses Problem ebenfalls und H. Albert greift es erneut auf: Alle Begründungsversuche endeten entweder gar nicht (regressus ad infinitum ) oder aber in einem logischen Zirkel. Wer diesen beiden Konsequenzen ausweichen will, der könne das Begründungsverfahren nur abbrechen, was jedoch nicht wissenschaftlich sei, sondern willkürlich. Um diesem Trilemma zu entgehen, empfiehlt Albert die Ersetzung der ›Begründungsidee‹ durch die ›Idee der kritischen Prüfung‹, d. h. der »kritischen Diskussion aller in Frage kommenden Aussagen mit Hilfe rationaler Argumente«. Dabei verzichte man zwar auf selbst produzierte Gewissheit, habe aber die Aussicht, durch Versuch und Irrtum der Wahrheit näher zu kommen, ohne allerdings jemals Gewissheit zu erreichen.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt