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Dr. Thomas Blume

Individuation

Von mlat. individuare , ›zum Individuum machen‹: Begriff zur Bezeichnung der Bestimmung eines Individuums als solchem. Die philosophische Beschäftigung mit dem allgemeinen Wesen der Dinge und dessen Bestimmung als eidos , Wesensform oder Idee warf das Problem der Bestimmung eines Individuums als Individuums auf. Als dasjenige, was allen mit einem bestimmten Ausdruck bezeichneten Gegenständen gemeinsam ist, hatte Platon die Teilhabe an einer allgemeinen Idee, Aristoteles den Besitz einer Form ausgemacht. Über diese Form wird die Zugehörigkeit der Gegenstände zu einer Gattung, z. B. der Gattung Mensch geregelt: Alle die Gegenstände gehören der Gattung Mensch an, die eine bestimmte Wesensform, die Menschlichkeit, besitzen; sie können aus diesem Grunde auch gemeinsam mit dem Ausdruck ›Mensch‹ bezeichnet werden. Nun treten aber Menschen nicht nur als Menschen, sondern in Gestalt konkreter Personen auf. Der eine Mensch ist Sokrates, ein anderer Perikles, ein dritter ist Phaidros. Damit stellt sich die Frage, was diese drei Menschen zu Individuen macht. Nach Aristoteles ist es die Materie, welche das Prinzip der Individuation darstellt. Eine bestimmte allgemeine Form, also z. B. die Form der Menschlichkeit, wird dadurch individuiert, dass sie mit einer bestimmten Materie in Verbindung tritt. Umgekehrt sieht es Aristoteles aber auch als möglich an, dass die Materie durch die Form individuiert wird. Individuation ist demzufolge die wechselseitige Bestimmung von Materie und Form.

Gegen die Annahme, dass die allgemeinen Prinzipien Materie und Form individuierend wirken könnten, schlägt Duns Scotus vor, eine Individualform, die so genannte haecceitas anzunehmen. Regelt die allgemeine Form die Zugehörigkeit eines Gegenstandes zu einer bestimmten Gattung, so ist die Individualform dafür verantwortlich, dass es sich bei dem Gegenstand um dieses bestimmte Individuum handelt, auf das dann mit einem Eigennamen Bezug genommen werden kann.

Für die Nominalisten des Mittelalters (A) entfällt das Problem der Individuation, da sie von vornherein nur Einzeldinge als Gegenstände einer Ontologie zulassen und die Existenz von Allgemeinbegriffen und ihnen korrespondierender allgemeiner Wesenheiten ablehnen.

Mit der Entstehung des neuzeitlich-naturwissenschaftlichen Weltbildes kommt es zu einer Ablösung des Materie-Form-Schemas als Individuationsprinzip durch die Begriffe von Raum und Zeit. Etwas wird dadurch zu einem Individuum, dass es sich an einer bestimmten Stelle im Raum und an einem bestimmten Punkt in der Zeit situieren lässt. Diese Art der Individuation gilt natürlich nur für physikalische Gegenstände im weitesten Sinne, also für Körper, Licht- und Schallereignisse und dergleichen.

Anknüpfend an die Bestimmung von Raum und Zeit als Individuationsprinzipien hat Strawson zu zeigen versucht, dass die Anwesenheit von raum-zeitlich geordneten Einzeldingen Voraussetzung für die sprachliche Bezugnahme auf abstrakte Gegenstände ist. Will man beispielsweise auf ein Fußballspiel als auf einen abstrakten Gegenstand Bezug nehmen, so kann man das nur auf dem Umweg über die im Fußballspiel vorkommenden raum-zeitlichen Einzeldinge, also Spieler, Schiedsrichter usw.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt