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Dr. Thomas Blume

Ideologie

Von griech. idea , ›Idee, Gestalt, Urbild, Wesen‹: Vorläufer des modernen Ideologiebegriffs ist die Idolenlehre F. Bacons. Unter Idolen versteht Bacon eine Reihe von Vorurteilen oder Irrtumsmöglichkeiten, die der prinzipiell möglichen wahren Erkenntnis der Natur im Wege stehen und die ihren Ursprung in der menschlichen Natur, in der individuellen Erziehung, in den sozialen Beziehungen der Menschen sowie in der Bequemlichkeit der Wissenschaftler haben.

Für Marx ist Ideologie zunächst gleichbedeutend mit Weltanschauung. In einem abwertenden Sinne verwendet Marx den Terminus zur Bezeichnung des ›falschen Bewusstseins‹ einer bestimmten Gesellschaftsformation. Ausgehend von dem Gedanken, dass das Sein, d. h. die herrschenden materiellen Verhältnisse, das Bewusstsein bestimmt, sind Ideologien für Marx Selbstbilder, die Gesellschaften auf einer bestimmten Entwicklungsstufe von sich entwerfen. Der als gesetzmäßig angenommenen Aufeinanderfolge und Höherentwicklung von Gesellschaftsordnungen entspricht auf Seiten des Bewusstseins eine den jeweiligen Gesellschaftsordnungen korrespondierende Aufeinanderfolge von Ideologien. Obwohl diese Annahme dem Projekt einer Ideologiekritik Grenzen zu setzen scheint, glaubt sich Marx dennoch dazu in der Lage. Dabei setzt er voraus, dass es eine Diskrepanz zwischen dem objektiv möglichen und dem tatsächlichen Bewusstsein einer Epoche gäbe. Diese hat ihren Grund in einem Gegensatz von allgemeinen und besonderen Interessen. Unentwickelte Gesellschaftsordnungen, zu der die bürgerlich-kapitalistische zählt, entwerfen einseitige Bilder ihrer selbst, indem sie die Interessen der jeweils herrschenden Klasse zu allgemeinen Interessen erklären. Aus diesem Grunde können sie als Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung der anderen Klassen begriffen werden. Ziel der marxschen Ideologiekritik ist es, die Verschleierung der Partikularinteressen als allgemeine Interessen aufzudecken.

Von einer strengen Determination des gesellschaftlichen Bewusstseins durch die herrschenden politischen und ökonomischen Verhältnisse einer Zeit geht Lukács aus. Für Lukács, der sich damit der Verwendung des Begriffes bei Marx anschließt, besteht eine notwendige und unauflösliche Verbindung von ›falschem Bewusstsein‹ und gesellschaftlicher Totalität. Die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse ziehen auf Seiten der Individuen ein falsches Selbstbild nach sich und produzieren auf diesem Wege Ideologien. Dem subjektiven, ideologischen Bewusstsein wird damit jedwede Möglichkeit zum Eingreifen in den gesellschaftlichen Entwicklungsverlauf abgesprochen. Erst mit der sich gesetzmäßig vollziehenden Aufhebung des Kapitalismus findet eine Wandlung zu einem nicht entstellten Selbstbild statt.

Eine neutrale Anwendung erfährt der Ideologiebegriff in der amerikanischen Wissenschaftssoziologie, wo man unter Ideologie jedes System von Ideen, Meinungen und Werten versteht, das Gruppen zur Legitimation ihrer eigenen Handlungen und zur Beurteilung der Handlungen Fremder benutzen.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt