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Dr. Thomas Blume

Idee

Von griech. idea , ›Idee, Gestalt, Urbild, Wesen‹: Grundbegriff der platonischen Philosophie, der die erkenntnistheoretische und bedeutungstheoretische Debatte bis in die Gegenwart maßgeblich geprägt hat. Bei Platon kommen dem Begriff der Idee zwei Funktionen zu: eine erkenntnistheoretische und eine ontologisch-konstitutive. Um erklären zu können, was die Dinge zu dem macht, was sie sind, nimmt Platon an, dass es Urbilder oder Ideen gibt, an denen die Dinge teilhaben (methexis ). Der Ort der Existenz dieser ontologisch-konstitutiven Wesenheiten ist ein von der sinnlichen Welt verschiedenes, jenseitiges Ideenreich, wo sich die Ideen in hierarchischer Anordnung befinden. Wichtigste Eigenschaft der Ideen in ontologischer Hinsicht ist ihre Unveränderlichkeit, mit deren Hilfe es Platon gelingt, die Typ-Identität der durch die Ideen konstituierten Dinge zu erklären: Obwohl die Gegenstände der sinnlich wahrnehmbaren Welt dem Wechsel und der Veränderung unterworfen sind, sind sie in Hinblick auf die sie prägenden Ideen miteinander identisch. So ist z. B. ein Tisch von demselben Typ wie ein anderer, weil beide Tische durch dieselbe Idee geprägt worden sind.

Die Ideen konstituieren aber nicht nur den Gegenstand, sondern erklären ebenso dessen Erkenntnis. Hierbei greift Platon auf den Begriff der Wiedererinnerung (Anamnesis) zurück. Da die Ideen als gegenstandskonstituierende Prinzipien nicht in den Dingen selbst liegen, sondern sich jenseits der Dinge in einem Ideenreich befinden, kann sich die Erkenntnis der Ideen auch nicht der Sinneswahrnehmung verdanken. Aus diesem Grunde erklärt Platon, dass unsere Seele in einer dem irdischen Leben vorhergehenden Präexistenz die Ideen erschaut hat und sich ihrer dann im irdischen Leben erinnern kann.

Für Aristoteles bildet die Annahme von Ideen nichts weiter als eine unsinnige Verdoppelung des Seienden (Sein), die zudem keinen Erklärungswert besitzt. Er ist der Auffassung, dass das Wesen der Dinge in den Dingen selbst liege.

Der Neuplatonismus bildet die Schaltstelle zwischen antiker und neuzeitlich-kognitivistischer Ideenkonzeption, indem er die Ideen zu Urbildern erklärt, die ihren Ort in einem mit Gott identischen Geist haben, der die Dinge in Hinblick auf ihre Urbilder erschafft. Sowohl der neuzeitliche Rationalismus als auch sein Gegenspieler, der Empirismus, gehen dann davon aus, dass die Ideen ihren Ort im Geist haben, der jetzt allerdings als menschlicher Geist verstanden wird. Die Ideen, so nehmen beide Lager an, bilden das Material des Denkens. Komplexe Gedanken entstehen aus einfachen Gedanken, indem einfache Ideen zu komplexen zusammengesetzt werden. Nur im Hinblick auf den Ursprung der Ideen unterscheiden sich Rationalisten und Empiristen dadurch, dass Erstere von einem teilweisen oder vollständigen Angeborensein der Ideen ausgehen (ideae innatae ), während Letztere annehmen, dass der Ursprung der Ideen in der Sinneserfahrung läge.

Kant erklärt Ideen zu regulativen Prinzipien. Ideen sind Vernunftbegriffe, die auf das Ganze der Erfahrung zielen. Kant unterscheidet zwischen psychologischen, kosmologischen und theologischen Ideen. Psychologisch ist die Idee eines absoluten Subjekts, bei dem von allen Eigenschaften abstrahiert worden ist und das als beharrliche Seelensubstanz allen Akten des Denkens zugrunde liegen soll. Kosmologisch nennt Kant die Ideen eines Weltanfangs und einer räumlich und zeitlich unendlichen Welt, weiter die Ideen letzter, unteilbarer Bestandteile und unendlicher Teilbarkeit, außerdem die Ideen einer frei erzeugten Welt und einer Welt ohne Freiheit, schließlich die Idee eines notwendigen Wesens, das am Beginn aller Ursachen steht und die Idee einer Welt, in der alles zufällig ist. Theologisch ist die Idee der vollständigen Bestimmtheit eines Dinges. All diesen Ideen ist die Eigenschaft gemeinsam, dass sie niemals in einer Anschauung gegeben sein können. Dennoch sind sie nicht funktionslos, sondern haben ihren Zweck darin, das menschliche Handeln zu leiten. So kann z. B. die Idee der vollständigen Bestimmtheit eines Gegenstandes Antrieb wissenschaftlicher Forschung sein.

Für den deutschen Idealismus (A) bezeichnen Ideen die höchste Wirklichkeit, existieren aber andererseits nur dadurch, dass sie in Raum und Zeit, d. h. in Natur, Geschichte oder Kunst ihren Niederschlag finden.

In der Phänomenologie Husserls sind Idee und Wesen miteinander identisch. Wie schon Platon, so versteht auch Husserl unter der Idee einer Sache die Summe der notwendigen Eigenschaften, ohne welche die entsprechende Sache nicht das wäre, was sie ist. Zu jedem Gegenstand, wie er in der Welt vorkommt und in der Vorstellung gegeben ist, gibt es eine Idee, welche das reine Wesen des entsprechenden Gegenstandes verkörpert.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt