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Lic. phil. Gerhild Tesak

Grund

Ganz allgemein bezeichnet der Begriff ein sachlich und zeitlich Früheres, durch welches ein daraus oder danach Folgendes bestimmt wird. Grund kann dabei in viererlei Hinsicht verstanden werden: Erstens als Seinsgrund, zweitens als Grund des Werdens, drittens als Erkenntnisgrund und viertens als Rechtfertigungsgrund. Die ersten beiden Gründe sind Kausalursachen (Kausalität): Der Seinsgrund bedeutet die erste Ursache für die Entstehung des Universums. ›Grund des Werdens‹ sind die Bedingungen, die hinreichend sind, um ein Ereignis auszulösen. Beim Seinsgrund und dem Grund des Werdens spielt der Satz vom zureichenden Grunde (principium rationis sufficientis ) eine entscheidende Rolle: Für jedes Ereignis gibt es einen hinreichenden Grund, wobei Grund als ratio essendi gefasst wird. Daneben gibt es die ratio cognoscendi , den Erkenntnisgrund. Dabei handelt es sich um die transzendentalen Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Tatbestand oder Ereignis überhaupt gedacht werden kann. Rechtfertigungsgrund schließlich sind die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit der Geltungsanspruch von theoretischen Behauptungen und praktischen Forderungen bewährt werden kann.

Aristoteles erörtert in seiner Metaphysik das Problem des Anfangs und unterscheidet dabei arche (Prinzip) von aitia (Ursache). Eine scharfe Trennung von Realgrund und Denkmöglichkeit ist hierbei noch nicht durchgeführt. Erst Kant arbeitet dann das Prinzip transzendentalphilosophisch als die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung bzw. Erkenntnis heraus. Er führt auch die Unterscheidung von Rechtsgrund (quid juris ) und Seinsgrund (quid facti ) ein.

Im Bereich der Logik spricht man von Erkenntnisgrund, wenn durch die Beziehung von Folge und Grund die Gültigkeit des Nachfolgenden ausgesagt wird. Als Erkenntnisgrund können dabei sowohl bereits als wahr erkannte Aussagen oder Urteile dienen, aus denen dann auf die Wahrheit anderer Aussagen oder Urteile geschlossen wird, als auch Erfahrungen oder Evidenzen. Im Rahmen solcher Begründungszusammenhänge stellt sich die Frage nach der Letztbegründung. Der von Leibniz formulierte Satz vom zureichenden Grunde besagt, dass alles einen Grund haben, d. h. begründbar sein muss. Dem steht die Philosophie des 20. Jhs. zumindest kritisch gegenüber. So bestreiten Popper und Albert die Möglichkeit einer Letztbegründung prinzipiell (Münchhausen-Trilemma), andere stehen für eine modifizierte Form derselben ein. Während Erkenntnisgründe das Für-wahr-Halten eines Urteils oder Satzes rechtfertigen, werden diejenigen Gründe, die den Gedanken von einem Erfahrungsinhalt beziehungsweise von einer metaphysischen Wirklichkeit abhängig machen, Real- oder Seinsgründe genannt. Ob Motive, Absichten und Dispositionen als psychische Voraussetzungen jeder Handlung auch unter die Realgründe zu zählen sind oder eine eigene Kategorie der psychologischen Gründe bilden, ist umstritten. Eine weitere Bedeutung des Begriffs, die sich von den bisher genannten Klassifizierungen abhebt, findet sich in der deutschen Mystik. Dort wird Grund metaphorisch für Ursprung, Seele, Geist und Gott verwendet.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt