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Lic. phil. Gerhild Tesak

Gottesbeweise

Stellen in ihrem Vollzug und Ergebnis den Versuch dar, die Existenz Gottes durch rationale Argumentation zu beweisen und so dem Glauben ein philosophisches Fundament zu verschaffen. Ihren Höhepunkt erlebte die Diskussion um die Gottesbeweise in der Scholastik, doch finden sich erste Ansätze bereits in der Antike, und auch im 19. und 20. Jh. werden noch neue Beweisvarianten formuliert. Vorbildlich wurde Kants Einteilung der bekanntesten Gottesbeweise. Er unterscheidet primär Beweise a priori von den Beweisen a posteriori . Unter Erstere zählt er den ontologischen Gottesbeweis, nach welchem sich die Existenz Gottes allein aus dem Gottesbegriff notwendig ergibt. Denn da Gott als das vollkommenste Wesen gedacht wird, kann er auch nur als existierend gedacht werden, da ein Wesen, dem die Existenz fehlt, nicht vollkommen wäre. Eine Variation zu dieser Art von Beweis bildet der psychologische Gottesbeweis, der davon ausgeht, dass die Idee, die unser Bewusstsein von Gott hat, nur durch Gott selbst dort hinein gelangt sein kann, denn das menschliche Bewusstsein ist endlich und unvollkommen, so dass es aus sich heraus unmöglich die Idee eines Vollkommenen und Unendlichen hervorbringen kann. Die Beweise a posteriori gehen alle aus von einer vorgefundenen Wirklichkeit, welche in ihrem Sosein auf Gott als notwendigen Schöpfer zurückverweist. Zu dieser Beweisart zählen unter anderen der kosmologische, der teleologische und der moralische Gottesbeweis.

Das kosmologische Argument findet sich in seinen diversen Spielarten bereits bei Aristoteles vorformuliert. Dieser schließt von der Bedingtheit der Schöpfung auf ein bedingendes Prinzip, das sie ermöglicht (z. B. von der Bewegung in der Welt auf einen ersten Beweger, vom ursächlichen Zusammenhang aller Vorgänge auf eine erste Ursache usw.). Alles Bedingte also wird auf ein Un-Bedingtes zurückgeführt, denn nur ein Un-Bedingtes kann ein absoluter Anfang sein. Einen neueren Gottesbeweis kosmologischer Art stellt das entropologische Argument aus dem 19. und frühen 20. Jh. dar, das auf dem Satz von der Entropie basiert. Ausgehend vom zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, dass im Laufe der Zeit alle Bewegungsenergie sich in Zustandsenergie umwandelt, lässt die Tatsache noch vorhandener Bewegung in der Welt den Schluss zu, dass die Welt noch nicht unendlich lang existiert und folglich einen Anfang haben muss, der als Schöpfungsakt gedeutet wird.

Der teleologische Gottesbeweis schließt von der Geordnetheit der Welt darauf, dass es einen ordnenden, allweisen Weltbaumeister geben müsse, nämlich Gott. Der moralische Gottesbeweis schließt vom Vorhandensein moralischer Gesetze und des sittlichen Bewusstseins auf einen Gott als deren Urheber. Eine weitere wesentliche Spielart in der Reihe der ›moralischen‹ Gottesbeweise stellt Kants praktischer Gottesbeweis dar: Kant stellt fest, dass die Existenz Gottes zwar nicht beweisbar ist, dass aber das Dasein Gottes als ein Postulat des um das moralische Gesetz wissenden Bewusstseins angenommen werden muss: der Mensch muss um seiner Sittlichkeit willen so tun, als ob es Gott gäbe.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt