Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Lic. phil. Gerhild Tesak

Gott

Je nachdem, ob der Begriff in religiösem, religionswissenschaftlichem oder philosophischem Kontext benutzt wird, wird Gott als Gegenstand konkreter Verehrung im Glauben, als höchstes Seiendes (Sein) in der theoretischen Reflexion oder als absolutes Prinzip verstanden. Unter dem Gesichtspunkt religiöser Praxis lassen sich prinzipiell drei Hauptformen des Gottes- oder Götterglaubens unterscheiden: Der Polytheismus, der auf der Annahme und Verehrung mehrerer Götter basiert; der Monotheismus, welcher die Existenz nur eines einzigen Gottes zulässt; und der Henotheismus, wo unter der Annahme mehrerer Götter ein Hauptgott verehrt wird. Im Verhältnis des Menschen zu Gott spricht man von Atheismus, wenn die Existenz Gottes radikal geleugnet wird, von Agnostizismus, wenn nicht die Existenz Gottes, wohl aber die Erkennbarkeit derselben bestritten wird. Der Glaube an die Existenz Gottes, verbunden mit der Überzeugung, diese auch erkennen zu können, wird als Theismus bezeichnet. Dabei ist Gott außerhalb der diesseitigen Welt in einem Jenseits gedacht (Dualismus), der die Welt geschaffen hat, sie lenkt und erhält.

Drei Möglichkeiten des Einwirkens des christlichen Gottes auf die Welt wurden diskutiert: Gott hat in einem Schöpfungsakt die Welt hervorgebracht und diese dann sich selbst überlassen. Diese Haltung der göttlichen Gleichgültigkeit, welche sich als Abkehr von der einmal geschaffenen Welt zeigt, wird am konsequentesten vom Deismus vertreten. So hat Herbert von Cherbury die These vertreten, dass Gott zwar der Urgrund der Welt ist, jedoch nach dem Schöpfungsakt nicht mehr in den Lauf der Welt eingreift. Demgegenüber vertraten Denker wie Geulincx und Malebranche die These des Okkasionalismus. Gegen die Behauptung von Descartes, dass nämlich Leib und Seele (res extensa und res cogitans ) streng getrennt seien und nicht wechselseitig aufeinander einwirken könnten, vertraten sie die Ansicht, dass Gott ›bei Gelegenheit‹ leiblicher Bewegungen seelische Empfindungen hervorrufe und umgekehrt ›bei Gelegenheit‹ von Willensakten Muskelbewegungen. Schließlich behauptete Spinoza, dass Gott und Welt gar nicht getrennt seien, sondern dass die res extensa und die res cogitans (die ausgedehnten Dinge und das Denken, Materie und Geist) nur Attribute der einen Substanz, nämlich Gottes, seien. Deus sive natura , die Natur selbst ist Gott, weshalb in den Einzeldingen der Natur Gott selbst erkennbar ist (Pantheismus). Eine Vorstufe des Pantheismus bildet der Animismus, für den die Natur von Geisterkräften bewegt wird, die gesamte Natur sogar beseelt ist, so wie dies in den griechischen Mythen beschrieben ist (vgl. dazu Ovids Metamorphosen ).

Die jeweilige Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Gott und Mensch erweist sich als untrennbar verknüpft mit der Antwort auf die Frage nach dem Sosein Gottes. Während die Annahme eines göttlichen Willens als Verpflichtungsgrund für moralische Forderungen überhaupt vielen religiösen Systemen gemeinsam ist, unterscheiden sich die meisten hinsichtlich ihrer inhaltlichen Bestimmung Gottes. Der Gottesbegriff in den diversen historischen Ausprägungen schöpft das gesamte Spektrum ›von gut bis böse‹, ›von körperlich bis unkörperlich‹ aus und wird in der abendländischen philosophischen Theologie zum Inbegriff von Vollkommenheit schlechthin. Aus dieser Bestimmung ergeben sich diverse Probleme philosophischer Art. So scheint der Allmacht und Güte Gottes die Existenz des Bösen auf der Welt zu widersprechen (Problem der Theodizee). Weiter stellt sich die Frage, wie unter der Voraussetzung der Allwissenheit Gottes noch von der Freiheit des Menschen die Rede sein kann. Als Grund und Ziel der Welt verleiht das Wirken eines göttlichen Prinzips der Welt als solcher und dem Leben der Menschen in ihr einen höheren Sinn, doch bleibt unklar, welches der Ursprung des göttlichen Grundes selbst ist.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt