Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Lic. phil. Gerhild Tesak

Goldene Regel

Name für eine allgemeine Formulierung desjenigen ethischen Prinzips, welches das sittliche Verhalten der Menschen untereinander auf der Basis gegenseitiger Respektierung begründet. In einander sehr ähnlichen Ausprägungen findet sich dieses Prinzip weltweit als Grundregel der Moral in fast allen religiösen Systemen, was einigen Philosophen als empirische Evidenz gegen die Behauptung eines moralischen Relativismus gilt. Man unterscheidet die negative Formulierung der Regel in der Alltagssprache (›Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu!‹) von der positiv gefassten biblischen Version (u. a. im Neuen Testament Matthäus 7,12: »Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!«). Mit dieser Regel werden selbst noch keine moralischen Normen benannt, sondern sie gibt den Standpunkt zur Beurteilung aller moralischen Normen vor. Die Goldene Regel bestimmt den Maßstab, an welchem moralische Normen (und im konkreten Fall auch einzelne Handlungsweisen) gemessen und herausgebildet werden können. Indem sie jedoch ausschließlich nur das eigene Wollen zum Kriterium für die Behandlung aller anderen Menschen erhebt, ergibt sich daraus in einer engen Interpretation die durchgehende Vernachlässigung der Interessen derjenigen Personen, welche dieses Handeln betrifft. In dieser Form kann die Regel sogar zu absurden Ergebnissen führen, wie ihre hypothetische Anwendung auf Extremfälle zeigt (Beispielsweise müsste ein Lebensmüder in Befolgung der Regel alle anderen so behandeln, als wollten sie auch nicht mehr leben.). Diese konkreten Schwierigkeiten umgeht eine etwas weiter und freier gefasste Interpretation der Regel, welche in ihr vor allem die Aufforderung gegeben sieht, nicht nur die unmittelbare Befriedigung der eigenen Bedürfnisse beim Handeln vor Augen zu haben, sondern sich prinzipiell gedanklich in die Lage derjenigen zu versetzen, welche durch das Handeln betroffen werden. Die Beurteilung einer möglichen Handlung danach, ob sie einem als von ihr Betroffenen selbst zusagen würde oder nicht, ist nach dieser Auffassung der erste Schritt in Richtung einer Selbstbestimmung, in welcher die Interessen der anderen zumindest in dem Umfang berücksichtigt werden, wie man sich das für die eigenen Interessen wünschen würde. Darauf sollten dann in einem zweiten Schritt auch zum eigenen Wollen konträre Standpunkte in den Entscheidungsfindungsprozess zu einer Handlung Eingang finden. Kant hat die goldene Regel in seinen drei Formulierungen des kategorischen Imperativs philosophisch rekonstruiert: »Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.« Eine solche Maxime, so die dritte Formulierung, muss Sorge tragen, dass die Würde des Menschen geschützt ist: »Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.« Mit dieser Formulierung ist das Selbstmörderproblem ausgeschlossen. Der kategorische Imperativ gilt sowohl für die Menschheit insgesamt als auch im Verhalten zu sich selbst.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt