Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Lic. phil. Gerhild Tesak

Glück

Der Begriff begegnet prinzipiell in zwei Formen: Man kann entweder ›Glück haben‹ oder ›im Glück (d. h. glücklich) sein‹. In der ersten Bedeutung wird ein Umstand bezeichnet, der sich zufällig und unverhofft ergibt und als positiv wahrgenommen wird. Von philosophischem Interesse ist der Begriff jedoch vor allem in seiner zweiten Bedeutung, in welcher er der Beschreibung eines Zustandes von Freude und Zufriedenheit dient. Bereits an der Frage, worin denn das Glück desjenigen, der glücklich ist, besteht, worüber er oder sie erfreut und zufrieden ist, scheiden sich die Geister. So kann der Besitz oder Erwerb so genannter äußerer Güter wie Macht, Reichtum und Ehre genau so mit der Glücksempfindung verbunden sein wie derjenige der inneren Güter (z. B. Erkenntnis oder Gemütsruhe). Wieder andere setzen das Glück mit dem Genuss gleich. Dieser Vielfalt an konkreten Glücksbestimmungen und den sich aus ihnen ergebenden Wegen zur Glücksgewinnung entspricht eine Diversität individuell und sozio-kulturell bedingter menschlicher Interessen überhaupt, womit jeder Versuch, den Begriff inhaltlich zu fassen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Er lässt sich nur formal fassen als das höchste Ziel menschlichen Lebens, über das hinaus kein Ziel mehr gedacht werden kann. Fragt man jedoch nach dem Weg, der zur Verwirklichung dieses Zieles führt, so stellt sich der Beantwortung das folgende Problem, das darin besteht, dass die Erfüllung oder Erreichung eines wie auch immer gearteten größten Wunsches oder Zieles gar nicht in jedem Fall glücklich macht. Das, wovon man sich alles Glück erhofft, tritt ein, aber (entgegen aller Erwartung) ohne das ersehnte Glücksgefühl. Dieser Fall illustriert, dass das Glücksstreben das Glück selbst als Ziel gerade nicht erfolgreich anstreben kann, sondern es nur indirekt, über andere Ziele vermittelt, erreicht. Glück erweist sich somit als das begleitende Gefühl gelungenen Handelns. Neben dem kantischen Begriff der ›Glückswürdigkeit‹ ist es in neuerer Zeit vor allem der Begriff der ›Glücksfähigkeit‹, der versucht, den Begriff des Glücks wieder näher an das Subjekt anzubinden. Ethische Systeme, die auf dem Glücksstreben des Menschen aufbauen, nennt man eudaimonistische Systeme. So hat Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik behauptet, dass alle Menschen nach Glück (eudaimonia ) streben, das sich formal-strukturell dadurch auszeichnet, dass es ein höchstes Gut ist, dem alle anderen Güter untergeordnet sind, die alle jedoch Glück(seligkeit) zum Ziel haben. Drei Lebensformen unterscheidet nun Aristoteles, deren Ziel die eudaimonia ist: Die Lebensform der Lust (hedone ), die praktisch-politische Lebensform (bios praktikos bzw. bios politikos ) und die philosophisch-theoretische Lebensform (bios theoretikos ). Während die beiden ersten den Menschen von äußeren Gütern bzw. Umständen abhängig machen, ist nur die theoretische Lebensform autark. Da die theoretische Einsicht (Kontemplation) zugleich etwas ist, was dem Menschen (etwa im Vergleich zu den Tieren) als Gattungswesen zukommt, ist der bios theoretikos die höchste Lebensform des Menschen überhaupt und damit die Lebensform des höchsten Glücks, das der Mensch erreichen kann. In der theoretischen Anschauung teilt der Mensch einen Glückszustand mit dem der Götter, mit dem einzigen Unterschied, dass die Menschen diesen Zustand der ewigen Seeligkeit in der theoretischen Anschauung nur temporär einnehmen können. Im Anschluss an seine Überlegungen zum höchsten Gut entwickelt Aristoteles eine Tugendlehre, wie nämlich die Eudaimonie für den Menschen erreichbar ist. Dabei unterscheidet er die ethischen Tugenden von den dianoetischen Tugenden. Während die letzteren durch Vernunfteinsicht erworben werden, müssen die ersteren durch Gewöhnung anerzogen werden. Ein neueres System dieser Art stellt der Utilitarismus in seinen diversen Weiterentwicklungen dar, dem ein empirisch-pragmatischer Glücksbegriff zugrunde liegt.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Druck-Ausgabe: 12,95 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt